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Abydos

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abydos

Titel: Abydos - the little boy’s heavy mental shadow opera about the inhabitants of his diary
Basiert auf dem Album: Abydos
Darsteller: Andy Kuntz, Astrid Vosberg, Andreas Zaron, Ines Agnes Krautwurst, Ulrich Wewelsiep
Musikalische Umsetzung: Vanden Plas
Aufführung und Umsetzung: Pfalztheater Kaiserslautern
Sprache: deutsch
Erscheinungsdatum: 2007
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Produktionsjahr: 2006
Spieldauer: 150 Minuten

Eine Besprechung / Rezension von Katja Lehmann
(weitere Rezensionen von Katja Lehmann auf fictionfantasy finden sie hier oder auf ihrem Blog "Little Dhampir´s Leseecke")

Ägypten, 3000 Jahre vor Beginn unserer Zeitrechnung. Pharao Mitemhep und sein Erzfeind Grenoses stehen sich schon seit Ewigkeiten im Kampf gegenüber. Im Heiligtum von Abydos treffen sich die beiden zur nunmehr letzten Schlacht, die beide mit Hilfe ihres Geistes austragen. Der Zauber, der Gernoses seinem Widersacher auferlegen will, bewirkt, dass er die schlimmsten Träume beherrschen und sich an ihnen laben kann. Pharao Mitemhep jedoch steht unter dem Schutz von Osiris, dem Herrscher des Totenreiches, der seine Seele retten und vor den Dämonen schützen wird.
Das Duell endet unentschieden, jedoch erliegt Pharao Mitemhep in der Nacht eines grausamen Todes. Seridafet, die Königin kannte jedoch den Mörder ihres Mannes, lässt ihn ergreifen und von ihrem Baumeister Ellitare einen Schrein errichten, in dem Grenoses lebendig begraben und in die Tiefen von Abydos verbannt wird. Enflyton, der Sohn des Pharaos besteigt den Thron und verlässt Abydos. Der Schrein wird daraufhin von Kaufleuten gefunden, unters Volk gebracht und reist schließlich durch Raum und Zeit…
Aus den Tiefen des Bandgrabens erhebt sich plötzlich eine merkwürdige Gestalt, die sich als Mito vorstellt. Dieser erzählt von nun an eine Geschichte. Eine Geschichte über Ängste, über Träume, Zweifel und ein etwas ungewöhnliches Abenteuer. Zunächst wäre da der kleine Fly. Ein kleiner, verträumter und eigensinniger Junge mit viel Fantasy. Viele Freunde hat er nicht, aber mit der kleinen Schauspielerin Strida und dem erfinderischen Llit geht er durch dick und dünn. Am Weihnachtsabend finden die drei Kinder eine merkwürdige Pyramide vor Flys Haustür, welche als Geschenk verpackt ist. Diese verändert das Leben der Kinder für immer. Neben den mysteriösen Hieroglyphen befinden sich Handabdrücke auf dem riesigen Ding. Die Neugier treibt die Kinder dazu, ihre Hände hinein zu legen. Musik ertönt, doch sie werden von Flys Vater unterbrochen, welcher sie zurecht weist und Fly sein Weihnachtsgeschenk übergibt – sein Tagebuch. Doch Llit lässt sich nicht einschüchtern und bringt seine Freunde dazu, ihre Hände noch einmal auf die Pyramide zu legen. Durch mysteriöse Umstände stirbt kurz darauf Flys Vater, was ihn vollkommen aus der Bahn wirft.

30 Jahre vergehen. Strida ist mittlerweile eine richtige Schauspielerin und Llit ein erfolgreicher Spieleentwickler. Nur Fly hängt noch immer seinen Träumen hinterher und hält sich mit zahlreichen Gelegenheitsjobs über Wasser. Er fristet ein zurückgezogenes Leben und arbeitet an einer neuen Comic-Story, die er „Abydos“ nennt. Doch kein Verlag möchte sich ihm annehmen und somit lebt er weiterhin einsam und gibt sich seinen Depressionen und Ängsten hin. Jede Nacht wird er von finsteren Gestalten in seinen Albträumen heimgesucht und noch immer gibt er sich die Schuld am Tod seines Vaters, den er nie wirklich verarbeitet hat. Sein Tagebuch ist sein ständiger Begleiter und alles, was er seinem Vater gerne sagen möchte, schreibt er hinein.
In der Bahn treffen sich die drei Freunde plötzlich wieder und es scheint mehr als nur Zufall gewesen zu sein, da sie kurz darauf gemeinsam in ein sehr verrücktes Abenteuer hinein gezogen und von ihrer gemeinsamen Vergangenheit eingeholt werden. Green entführt sie nach Coppermoon, welches die den dreien unter dem Namen „Abydos“ bekannt ist und will sich ihrem Willen und ihr Wesen zu Eigen machen.

So viel erst einmal zur Geschichte von „Abydos – the little boy’s heavy mental shadow opera about the inhabitants of his diary“. Für so manchen erscheint die Geschichte rund um Fly und seine Freunde beim ersten Anschauen wohlmöglich ein wenig konfus, verrückt und total Gaga! Auch ich hatte anfangs sehr große Probleme, der Geschichte zu folgen, aber mit der Zeit wird es besser und man entdeckt hinter den teilweise sehr lustigen Gestalten doch eine recht sensible, traurige und vor allem dramatische Geschichte. Geschrieben wurde das Stück von Andy Kuntz und Johannes Reitmeier. Eine Geschichte, die auf dem gleichnamigen Album, welches Andy Kuntz bereits im Jahr 2004 veröffentlicht hat, basiert. Darin verarbeitet er die Trauer um mehrere geliebte Menschen, darunter auch sein Vater. Dies spiegelt sich auch in dieser Rockoper wieder, die am 25. Februar 2006 in Kaiserslautern ihre Premiere feierte. Mitgeschnitten wurde die DVD am 06. Juli 2006.

Nachdem Andy Kuntz seine Theaterkarriere bereits im Jahr 1990 begann, ist er vor allem durch seine Position als Sänger der Progressive-Metal-Band Vanden Plas bekannt, die in Deutschland leider viel zu wenig Beachtung bekommt. Auch Vanden Plas selbst sind an Abydos maßgebend beteiligt, da sie für die musikalische Unterstützung sorgen.
Andy Kuntz war nicht nur für die Story verantwortlich, sondern spielt auch gleichzeitig die Hauptrolle – Fly. Unterstütz wird er dabei von Astrid Vosberg als Strida und Andreas Zaron als Llit. Mito wird von Ulrich Wewelsiep verkörpert. Oberfiesling Green von Ines Agnes Krautwurst.
Jeder der Charaktere spielt eine maßgebende Rolle in der Geschichte.
Fly, der bereits in sehr jungen Jahren seinen Vater auf mysteriöse Umstände verloren hat, kommt auch 30 Jahre später noch nicht mit seinem Leben klar. Er gibt sich die Schuld an seinem Tod und beschäftigt sich die meiste Zeit mit dem Tagebuch seines Vaters und seinem düsteren Comic, der bei keinem Verlag so recht ankommen will. Als er seine Freunde nach so vielen Jahren wieder trifft, ist die Freude groß, doch die beiden müssen schon bald feststellen, dass er sich kein bisschen geändert hat. Noch immer schottet er sich von anderen Menschen ab, verschließt sich vor allem und kann die Vergangenheit nicht hinter sich lassen. Während Strida im Laufe der Geschichte immer wieder unter Beweis stellt, dass sie ein wenig hysterisch ist, kommt bei ihm immer wieder ein wenig Ungeduld und Aggressivität durch, die ihn wiederum als einzigen einen klaren Kopf behalten lässt. Doch vor seinen Ängsten kann er sich nicht verschließen – ganz im Gegenteil. Er muss sich ihnen stellen.

Strida hat schon immer davon geträumt, Schauspielerin zu werden. Die Rolle einer Königin zu spielen, ist ihr größter Wunsch. Doch bisher hat es nur für Seifenwerbung gereicht. Sie übernimmt den fürsorglichen Part in dieser Geschichte. Sie versucht, zu verstehen, was mit ihnen passiert und scheint sich vor allem große Sorgen um Fly zu machen. Im Laufe der Geschichte wird immer wieder eine besondere Verbindung zwischen den beiden spürbar, die jedoch nicht weiter in die Tiefe geht.
Llit ist der wohl verrückteste der drei Freunde. Seine Erfindung, der Brain Boy, macht das ganze Chaos erst möglich, da er damit ein Gerät geschaffen hat, welches die Träume seines Benutzers in die Spielewelt überträgt. Green macht sich dies zu nutzen und schafft dadurch ihre eigene Welt der Schatten, in der sie ihre hirnlose Armee züchtet. Fly, Strida und Llit sind da natürlich für sie ein gefundenes Fressen, um ihre Pläne zur Weltherrschaft umzusetzen und die Gedanken der Menschen zu absorbieren und diese als leere Hüllen zurück zu lassen.
Diese leicht wirre Science Fiction-Story wird musikalisch unterstützt von sehr emotionalen Songs, die zum Großteil von dem gleichnamigen Album stammen – teils jedoch in diesem Stück noch besser rüberkommen. Andy Kuntz kann dabei erneut sein facettenreiches Auftreten unter Beweis stellen. Auf den Vanden Plas-Album kommt er oftmals als ein anderer rüber. Seine Stimme ist rauer, rockiger und trotzdem voller Gefühl. Dies alles schraubt er in seinen Theaterrollen ein wenig runter und stellt die Emotionen vorn heran. Er besitzt wahrlich eine Stimme, die das Herz berührt und immer wieder für Gänsehaut oder gar Tränchen in den Augen sorgt. Wer allerdings denkt, seine Soloparts in Abydos wären schon großartig, sollte sich die gemeinsamen Songs mit Astrid Vosberg als Strida noch einmal genauer anhören. Diese gehen wirklich unter die Haut. Höhepunkte in diesem Stück bilden dabei vor allem „Hyperion Sunset“ und „Healing Tree“, die er gemeinsam mit ihr singt. Weitere Highlights sind „Just like the Wind“, welches die beiden gemeinsam mit Andreas Zaron performen. Im Gegensatz zum Rest des Stückes ist dieses sehr fröhlich und unglaublich lustig (vor allem wenn sie anfangen zu tanzen… ohje!). „Coppermoon“ ist eine recht coole Rocknummer, die den Schrecken, den Green verbreitet, recht gut rüberbringt. „Can you hear me“, ein ergreifendes Stück von Astrid Vosberg zusammen mit Ines Agnes Krautwurst. Stimmlich gesehen ist das eine echte Glanzleistung und auch von der Performance her sehr beeindruckend. „Abydos“, gesungen von Andy Kuntz mit einem Teddy im Arm (und er sieht trotzdem noch umwerfend gut dabei aus…) ist einer der grundlegenden Songs. Bei diesem ist eine Gänsehaut garantiert – einfach grandios! Zu guter Letzt ist der Abschlusssong zu erwähnen – „A boy named fly“ wird vom gesamten Cast gesungen und ist anfangs sehr bedrückend und stellt insgesamt einen unglaublich guten Song dar.

Schauspielerisch gesehen verwirrt mich dieses Stück immer wieder. Zwischendrin merkt man, was für grandiose Schauspieler hinter diesen Rollen stecken, doch alles wirkt oftmals sehr künstlich und überzogen. Es wird gebrüllt, geschrien und vieles vollkommen übertrieben lang gezogen (was Green aber auch unglaublich gruselig macht…). Und trotzdem blitzen immer wieder Situationen durch, in denen sich das echte Talent wiederspiegelt. Vermutlich ist das ganze vollkommen bewusst so inszeniert, aber ab und zu geht es auch ein klein wenig auf die Nerven.

Wenn man das Stück erst einmal so halbwegs verstanden hat, erkennt man, was für eine tiefgründige Aussage es hat und findet zwischen den oftmals konfusen Dialogen und Situationen wiederum eine echte Genialität vor. Aufwendig Bühnenbilder, tolle Kostüme (auch wenn die Helden fast durchgängig das gleiche und doch recht einfache Kostüm tragen) und eine grandiose Show machen „Abydos“ zu etwas ganz besonderem. Diese Rockoper macht (nach dem ersten Schock) richtig viel Spaß, regt sehr zum Nachdenken an und birgt unglaublich viele und tolle Ohrwürmer. Grandios und unbedingt empfehlenswert!

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