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Alexanders langes Leben, Stalins früher Tod

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Serie / Zyklus: ~
Titel / Originaltitel: Alexanders langes Leben, Stalins früher Tod
Herausgeber: Erik Simon
Übersetzer: Prof. Dr. Gerlach und Erik Simon
Verlag: Heyne
Erschienen: 1999

Besprechung / Rezension von Christian Plötz

Das ist nach Wenn Napoleon bei Waterloo gewonnen hätte ... der zweite Band, bei denen sich Leute lediglich mit der Frage "Was wäre, wenn..." beschäftigt haben. Ich kann aber Entwarnung geben, diesmal sind es keine abstrusen Gedankengebilde gelangweilter Gelehrter, sondern regelrechte Short Stories von Schriftstellern und Journalisten. Das bedeutet natürlich einen ungleich höheren Lesegenuss, vor allem weil es sich um 'ernsthafte' Arbeiten handelt und nicht um Notizen, die, wie im Falle Churchills, eigentlich in den Papierkorb gehört hätten. Die einzigen 'nicht-literarischen' Arbeiten stammen im zweiten Band von Toynbee, dem berühmten Historiker, und Titus Livius, und beide sind doch recht kurzweilig formuliert.

Die stilistische Bandbreite ist dennoch wieder sehr hoch. Manche Autoren gaben ihrer Spekulation die Form einer Quelle aus der Parallelwelt, zum Beispiel einer Rede, die in einer hypothetischen DDR gehalten wird; andere nehmen einen alternativen Geschichtsverlauf nur als Setting, um eine Story spinnen zu können. Jeschke geht diesen Weg. Er lässt die Geschichte ab der Renaissance einen veränderten Ablauf nehmen. Die technischen Entdeckungen wurden schneller gemacht, alles ist um die 100 Jahre früher passiert - Napoleon und die Dampfmaschine. Dadurch erhält er eine hypothetische Gegenwartswelt, wie wir sie erst in hundert Jahren haben können. Darin entwickelt er einen Romananfang mit Protagonisten und einer Handlung. Man merkt schon, dass das Ganze eher wie ein Trailer für einen Film daherkommt, und genau das ist es auch. Die Alternativhistorie ist nur eine Ausrede, um ein bisschen Werbung für seinen nächsten Roman zu machen. Egal, der scheint recht gut zu werden.

Reiner Quatsch ist dagegen der Essay von Thurber: "Wenn Grant bei Appomatox betrunken gewesen wäre". Hier wird kein alternativer Zeitablauf entwickelt, sondern lediglich ein Ereignis verändert. (Liegt wohl daran, dass es keinen Unterschied gemacht hätte. Grant hat später als Präsident sowieso gesoffen wie ein Loch. Ein interessanteres Thema wäre gewesen: "Wenn Grant sich nicht während seiner Amtszeit zu Tode gesoffen hätte".) Die absoluten Highlights des Buches sind die Beiträge Amerys und die Alternativcharaktere Stalins.

Anmerkung: Diese Anthologie kann man schon guten Gewissens empfehlen. Der Durchschnittsleser möchte schließlich unterhalten werden. Die schlimmsten Macken des ersten Teiles wurden hier ausgemerzt. Für geschichtsinteressierte SciFi-Fans ist dieses Buch durchaus ein angenehmer Zeitvertreib.

Bewertung: 7 von 10 Punkten

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