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Sachbücher / Magazine

Allmächtiger! Faszination Perry Rhodan

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Titel: Allmächtiger! Faszination Perry Rhodan
Autor: Eckhard Schwettmann
Buch/Verlagsdaten: Humboldt Verlag (3/2006); 352 Seiten; 49,95 €; ISBN: 3-8544-5259-4

Eine Besprechung / Rezension von Andreas Schweitzer
Weitere Rezensionen von Andreas Schweitzer findet man hier auf fictionfantasy oder auf seinem Blog Der Häxler

Schon lange war ein umfassendes Werk über die größte Science Fiction-Serie der Welt angekündigt worden, das aus der Feder von Eckhard Schwettmann, dem ehemaligen Marketingchef der PR-Serie, stammen sollte. Als die obenstehende Ankündigung Mitte Oktober 2005 auf der PR-Homepage zu finden war, schien es fast so, als hätte das Buch schon sehr reale Gestalt angenommen. Doch es sollte noch bis März 2006 dauern, bis es erscheinen würde.

Schon die physischen Dimensionen des Prachtbandes sind beeindruckend. Das rund 32 Zentimeter hohe Buch versucht auf über 350 Seiten einen Überblick über das Perryversum in all seinen Facetten zu geben. Schwettmann beginnt mit einem Überblick über die Entstehung der internationalen SF im Einzelnen und der deutschen SF-Szene im Besonderen, wobei das langjährige Massenphänomen Heftroman einen hohen Stellenwert einnimmt. Danach folgt ein Blick auf PR und die Realität, die sich gar nicht so großartig voneinander unterscheiden, denn Karl Herbert Scheer und Walter Ernsting verrechneten sich mit der Prognose für die erste Mondlandung nur um rund zwei Jahre. Allerdings haben Neil Armstrong und Buzz Aldrin kein arkonidisches Forschungsschiff auf dem Erdtrabanten gefunden.

Jetzt geht Schwettmann richtig ans Eingemachte, denn nun taucht er mit dem Leser in fünfundvierzig Jahre Perryversum ein. Den Beginn machen die Begründer, die mit Karl Herbert Scheer, Walter Ernsting und Kurt Bernhardt näher vorgestellt werden. Dabei zeigt er auch einiges interessantes Hintergrundmaterial auf, wie etwa das Original-Exposé des ersten Bandes. Um auch dem Leser von AllMächtiger! gerecht zu werden, der die PR-Serie nicht kennt, widmet sich ein weiterer Teil der komplexen Handlung, wobei man sich mit einem groben Überblick begnügt. Fast dreitausend Jahre Geschichte der Zukunft lassen sich schwer auf rund fünfzehn Seiten zusammenfassen. Einen weiteren hohen Stellenwert nehmen die Haupthelden ein, die nun etwas intensiver vorgestellt werden.
Aufgeteilt nach den verschiedenen Autorengenerationen sind nun die diversen Autoren der PR-Serie an der Reihe, deren Schaffen gut geschildert wird und die auch teilweise selbst in kleinen Interviews zu Wort kommen. Interessant dabei ist, dass Schwettmann auch die in den letzten Jahren aufgetretenen Gastautoren nicht außer Acht lässt, wie kurze Porträts von Gisbert Haefs, Titus Müller und Andreas Eschbach zeigen.
Ein sehr wichtiges Element ist die visuelle Gestaltung des Perryversums, an der maßgeblich die verschiedenen Titelbild- und Risszeichner beteiligt waren. Unbestritten hat der unvergessene Johnny Bruck das Bild, das viele Fans von Perry und seinen Freunden haben, mit seinen teilweise oft sehr dynamischen Bildern geprägt. Nach seinem überraschenden Tod nahmen seine „Erben“ wie Alfred Kelsner, Swen Papenbrock, Ralph Voltz, Oliver Johanndrees, Dirk Schultz und Oliver Scholl den Faden auf, um Brucks Ideen weiter zu entwickeln, aber auch ihren ganz eigenen Stil in die Serie einfließen zu lassen. Seit vielen Jahrzehnten sind auch die Risszeichnungen nicht aus PR wegzudenken. Schwettmann versäumt es nicht, die wichtigsten der neuen Generation vorzustellen, wobei allerdings die „alte Garde“ wie Rudolf Zengerle, Ingolf Thaler und Bernard Stoessl etwas zu kurz kommt.
Selbstverständlich muss auch auf die Comic-Inkarnationen von PERRY RHODAN eingegangen werden, deren Beliebtheit bei vielen Fans zwar gemischt ist, die aber mit zu dem Phänomen, das die Serie ausmacht, dazugehören. Vielleicht gerade, weil sich die Romanserie und die Comics stark voneinander unterscheiden.
Das nächste große Kapitel bietet einen noch tieferen Blick hinter die Kulissen, denn nun wird der Verlag, der seit über fünfundvierzig Jahren hinter der PR-Serie steht, und die Redaktion unter der Regie von Klaus N. Frick intensiv vorgestellt. In diesem Kapitel findet man auch einen Teil über eine PR-Veröffentlichung, die mit zu den interessantesten gehört, die je unter dem Label PERRY RHODAN erschienen sind: das PERRY RHODAN Sonderheft, später umbenannt in PERRY RHODAN Magazin. Ein erster Versuch, ein regelmäßig erscheinendes SF-Magazin auf einer breiten Basis auf dem deutschen Markt zu etablieren. Eine Sache, die immerhin rund vier Jahre gut ging, aber im Jahr 1981 leider eingestellt wurde. Das Kapitel über das PRM ist quasi die Einleitung zu einem Thema, das mittlerweile sehr viel an Übersichtlichkeit verloren hat: das PR-Merchandising. Beginnend mit den 60er Jahren versucht der Autor, das Wichtigste an Material zur Serie aufzulisten, was eine schier unlösbare Aufgabe ist.
Was wäre die PR-Serie ohne ihre Fans. Kaum eine Fanszene um eine literarische Reihe ist so intensiv und vielfältig wie die rund um PR. Natürlich kann man nicht alle Aktivitäten aufzeigen, doch die Vorstellung von einigen bekannteren Fans sowie einigen großen Fanclubs ist schon mal ein Anfang. Schmerzlich ist allerdings nur, dass man mit dem SFC Universum einen der ältesten PR-Clubs scheinbar übersehen hat, obwohl er sich mit der Herausgabe von Sekundärliteratur zur Serie einen Platz in diesem Buch verdient hätte. Allerdings hat er indirekt einen Weg hinein gefunden, auf den später noch eingegangen wird.
Wie schon gesagt, ist das Merchandising rund um PR sehr vielfältig. Kein Wunder also, dass ihm nach einem schon erwähnten Vorlauf ein ganzes Kapitel gewidmet wird. Doch ist die Masse in den rund fünfzig Jahren so angewachsen, dass man unmöglich alles aufzeigen kann. Allerdings hat die Erwähnung des 1967 entstandenen Kinofilms schon einiges für sich.
Die beiden abschließenden Kapitel von AllMächtiger! sind den zahlreichen Auslandsausgaben und dem Autor selbst gewidmet. Es ist sehr interessant, von den ausländischen Inkarnationen der Serie in Japan, Russland, Frankreich, Brasilien, Tschechien und den Niederlanden zu erfahren, wo die Übersetzungen teilweise schon seit langer Zeit erscheinen. Nur inden USA tat sich der deutsche Weltraumheld etwas schwer, obwohl dort schon mehrere Versuche gestartet worden waren. Der letzte, die Veröffentlichung des Lemuria-Zyklus durch FanPro, kam über den ersten Band nicht hinaus.
Für den schon ergrauten PR-Fan bietet der opulente, großformatige Band nicht viel Neues über die Hintergründe zu seiner Serie. Allerdings hat es bisher keiner geschafft, alle Informationen in einen Band zu quetschen, der über ein stolzes Gewicht verfügt. Auch wenn der Text stellenweise etwas zu enthusiastisch und zu unkritisch geraten ist, bietet AllMächtiger! jede Menge Interessantes, wie beispielsweise sein unglaublich vielfältiges Bildmaterial, das u.a. einige schöne Raritäten zeigt. So wird das Buch zu einem absoluten Muss für jeden, der sich für die PR-Serie und ihre Hintergründe interessiert.
Übrigens, der ersten Auflage ist noch ein kleines Beiblatt mit einer Errata beigelegt, in dem einige Fehler, die nach der Drucklegung aufgefallen sind, korrigiert werden. So werden die Verdienste des Magazins Phantastisch! und des schon weiter oben genannten SFC Universum gewürdigt.
Erwähenswert ist die rund 20 Euro billigere Lizenzausgabe des Prachtbandes beim Weltbild Verlag, die sich nur durch ein wesentlich bunteres Cover von dem schön schlichten Original unterscheidet. Diese Lizenzausgabe stellt quasi den Abschluss der PR-Planetenroman-Sammleredition von Weltbild dar.

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