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Autonom

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Genre: Science Fiction / Biopunk
Titel: Autonom
Autoen: Annalee Newitz
Daten: Fischer TOR (Mai 2018), Paperback, 352 Seiten, 14,99 EUR, ISBN: 978-3-596-70258-9

Eine Rezension von Judith Madera (Weitere Rezensionen von Judith Madera findet ihr hier auf fictionfantasy oder auf ihrer Website www.literatopia.de)

Im Jahr 2144 ermöglicht die Biotechnologie den Menschen ein besseres und längeres Leben, doch nicht jeder profitiert vom Wohlstand. Besitzlose Menschen müssen sich als Kontraktarbeiter verdingen, also als moderne Arbeitssklaven. Damit unterscheiden sie sich kaum von den Bots, die inzwischen zur Gesellschaft gehören und in die Kontraktarbeit hineingeboren werden. Wenn sie die ersten zwanzig Jahre ihres Betriebs überstehen, winkt ihnen die Autonomie. Davon ist Bot Paladin noch viele Jahre entfernt, denn er ist gerade einmal ein paar Monate alt. Als Militärmodell wird er von der IPC (International Property Coalition) eingesetzt, um gegen Verstöße gegen das Eigentumsrecht vorzugehen. Gemeinsam mit seinem Partner Eliasz, ein Mensch, macht Paladin Jagd auf eine Patent-Piratin, die mit der Rekonstruktion der Arbeitsdroge Zacuity Chaos stiftet …

Jack ist ein böser Fehler unterlaufen. Ihre Zacuity-Kopie führt bei den Konsumenten zu heftigen Nebenwirkungen. Die Nutzer haben nicht nur mehr Freude und Ausdauer bei der Arbeit, sie arbeiten sich regelrecht zu Tode und ziehen während ihrer manischen Ausbrüche andere Menschen in Mitleidenschaft. Dabei hat sich Jack an die Originalformel von Pharmariese Zaxy gehalten, was bedeutet, dass bereits das Originalpräparat die fatalen Nebenwirkungen aufweist. Jack will ihren Fehler ausbügeln und sucht alte Freunde auf, um ein Gegenmittel herzustellen. Dabei ist ihr bewusst, dass sie von der IPC gejagt wird und jeden in Gefahr bringt, der mit ihr Kontakt hat. Als sie zufällig einen Kontraktarbeiter befreit, hat sie auch noch einen jungen Mann an der Backe …

Autonom ist der Debütroman von Annalee Newitz, deren wissenschaftliche Karriere großen Einfluss auf ihre Zukunftsvision hatte. Während im klassischen Cyberpunk die Computertechnologie die Welt in eine dreckige Dystopie verwandelt, ist es in Autonom die Biotechnologie, die eine nicht ganz so dreckige Zukunft heraufbeschwört. Neuartige, bioaktive und damit weniger umweltschädliche Materialien sorgen für eine schönere Welt, allerdings hat nicht jeder Anteil am Wohlstand. Wer nicht mit Besitz geboren wird, muss Jahrzehnte als Arbeitssklave herhalten. Dabei pushen sich viele Menschen mit Arbeitsdrogen – überhaupt gibt es in Newitz‘ Zukunftsvision eine Droge für jede Lebenslage. Sei es, um die Jugend zu erhalten, die Libido zu stärken, sich besser konzentrieren zu können oder zu entspannen.

Eigentlich hält Jack nicht viel von Arbeitsdrogen, doch damit auch ärmere Menschen Chancen auf bessere Jobs haben, hat sie Zacuity rekonstruiert und unter die Leute gebracht. Nun versucht sie alles, um Schadensbegrenzung zu betreiben. Einst war Jack eine idealistische Studentin, die die Welt verändern wollte. Früh hat sie die Macht der Pharmakonzerne zu spüren bekommen und früh führte ihr Weg in die Illegalität. Die Jack im Jahr 2144 ist eine derbe, abgebrühte Frau, die genau weiß, welche Risiken sie eingeht. Auch wenn sie strenggenommen eine Kriminelle ist, ist sie die Sympathieträgerin des Romans, wobei auch Paladin als Bot die Leser in seinen Bann zieht.

Die Handlung wird überwiegend aus Jacks und Paladins Sicht erzählt und so erlebt man hautnah mit, wie sich die Persönlichkeit des Bots entwickelt. Paladin folgt zunächst seiner Programmierung, macht sich aber aufgrund seiner Erfahrungen mehr und mehr Gedanken um seine Umwelt und die Menschen darin. Insbesondere seine Beziehung zu Eliasz beschäftigt ihn, da der Agent Paladin weniger wie einen Bot, sondern mehr wie einen Menschen behandelt. Da die beiden Jack jagen und bei der Verfolgung ihrer Verbündeten äußerst brutal vorgehen, mag man Paladin und Eliasz nicht unbedingt. Zudem ist ausgerechnet Eliasz etwas zu blass geraten und scheint oftmals nur seine Rolle zu erfüllen.

Autonom wird von Neal Stephenson mit William Gibsons Neuromancer verglichen, was beim Leser sehr hohe Erwartungen weckt. Diese kann Annalee Newitz nicht ganz erfüllen. Dazu mangelt es ihrem Roman an Tempo und Innovation, da ihre Themenschwerpunkte Künstliche Intelligenz und Biotechnologie in diversen anderen Romanen bereits verarbeitet wurden. Dennoch besitzt Autonom einen hohen Unterhaltungsfaktor und überzeugt mit der Vision eines erschreckend realistischen Hyperkapitalismus. Dazu greift das Buch das Lebensgefühl junger Wissenschaftlicher auf und zeigt, wie sich Karrieren entwickeln, wenn der Idealismus scheitert.


Fazit

Annalee Newitz überzeugt in Autonom mit brandaktuellen Themen und einem klugen Erzählstil, der eine Zukunftsvision zwischen Utopie und Dystopie heraufbeschwört. Arbeitssklaven und -drogen gehören genauso dazu wie Roboter, denen die Autonomie winkt. Mit der Patenpiratin Jack und dem Bot Paladin hat Newitz zudem zwei außergewöhnliche Charaktere geschaffen, die die Welt der Biotechnologie und Künstlichen Intelligenzen für die Leser greifbar machen und dabei bestens unterhalten.