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Beyond the boundary - kyokai no kanata (Volume 1)

Bewertung: 5 / 5

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Genre: Mystery / Horror / Comedy
Serie: Volume 1
Titel: Beyond the Boundary – kyokai no kanata 
Originaltitel: Kyoukai no Kanata
Regie: Taichi Ichidate
Format: 16:9 – 1920 x 1080
Sprache: Deutsch, Japanisch (DTS HD MA Audio 2.0)
Untertitel: Deutsch
Extras: 24-seitiges Booklet, 1 Mini-Clip
Daten: KAZÉ (Oktober 2015), circa 100 Minuten, UVP 30,95 EUR, FSK 12, EAN: 7630017506870

Eine Rezension von Judith Madera (Weitere Rezensionen von Judith Madera findet ihr hier auf fictionfantasy oder auf ihrer Website www.literatopia.de)

Als Akihito ein schönes Mädchen mit Brille entdeckt, das sich vom Dach der Schule stürzen will, handelt er kurz entschlossen, um sie vom Selbstmord abzuhalten. Doch die süße Mirai will sich nicht umbringen – sie will Akihito, der ein halber Yomu und damit ein Dämon ist, töten. Mit einem Schwert, das sie aus ihrem Blut formt, stürzt sie sich auf ihn. Allerdings ist Akihito unsterblich und so ist das Durchbohren mit dem Blutschwert lediglich eine ziemlich schmerzhafte Angelegenheit. Seit dieser seltsamen ersten Begegnung stellt Mirai Akihito nach und will an ihm das Töten üben, denn als letzte Überlebende ihres Geisterkriegerclans hat sie nur wenig Kampferfahrung. Akihito findet es allerdings nicht so toll, ständig angegriffen und verletzt zu werden. Andererseits fasziniert ihn die niedliche Mirai, vor allem wegen ihrer hübschen Brille …

Beyond the Boundary – kyokai no kanata, der Anime zur Light Novel von Nagomu Torii, stammt aus dem Hause Kyoto Animation und wartet entsprechend mit einer supersüßen Protagonistin auf, die selbst beim Dämonenjagen noch niedlich wirkt. Mirai ist eine Geisterkriegerin mit ganz speziellen Fähigkeiten, denn sie kann ihr Blut nutzen, um beispielsweise eine Waffe daraus zu formen. Ihr Clan wurde von den anderen Geisterkriegern dafür geächtet und beinahe ausgelöscht, entsprechend ist Mirai unsicher und vertraut niemandem. Akihito stellt sie anfangs auch nur nach, um an ihm das Töten zu üben. Doch der junge Mann, dessen Vater ein Yomu ist, bezeichnet sie als schön und verhält sich ihr gegenüber stets freundlich, was Mirai verwirrt. Er versucht sogar, sie bei den anderen Geisterkriegern zu integrieren, was sie jedoch für eine schlechte Idee hält.

Akihito ist ein eher ruhiger und zuvorkommender junger Mann, dem man kein bisschen ansieht, dass in ihm das Blut der Yomu fließt. Warum er als Halbdämon allerdings unsterblich ist, wird vorerst nicht erklärt. Selbst wenn man ihm ein Schwert mitten durch die Brust stößt, empfindet er lediglich starke Schmerzen und schafft es dennoch, höflich darum zu bitten, das Schwert aus ihm herauszuziehen. Da Akihito einen ausgeprägten Brillenfetisch hegt, ist er von Mirai sofort fasziniert, auch wenn sie ihn immer wieder angreift und sich ansonsten abweisend verhält. Mit seiner freundlichen Art und viel Geduld gelingt es ihm jedoch, Mirai etwas näher zu kommen und etwas über ihre Vergangenheit zu erfahren. Bald fühlt er sich verantwortlich für das süße Mädchen und bemüht sich sehr darum, dass die anderen Geisterkrieger sie akzeptieren.

Die ersten vier Episoden, die jeweils nach Farben wie „karminrot“, „ultramarinblau“, „mondscheinviolett“ und „bitterorange“ benannt sind, konzentrieren sich auf die entstehende Freundschaft zwischen Akihito und Mirai. Beide sind im Wissen um die Yomu aufgewachsen, insofern gibt es keine langen Erklärungen, was Yomu genau sind und welche Kräfte Geisterkrieger besitzen, denn diese werden in den Actionsequenzen eindrucksvoll gezeigt. Mirai kennt ihre Fähigkeiten sehr gut, was auch der Grund dafür ist, warum sie soziale Kontakte meidet. Sie und Akihito haben dabei mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick erkennen kann, und genau das macht die Beziehung der beiden so spannend. Anfangs erscheint einem Akihito als Protagonist etwas eindimensional, da er wenig von sich preisgibt und recht passiv wirkt. Dies ändert sich jedoch schlagartig, wenn man erkennt, welche Last Akihito mit sich herumträgt. Zudem wird er immer sympathischer, je mehr er sich um die eingeschüchterte Mirai bemüht.

beyond the boundary1Bereits in den ersten Episoden werden mehrere Nebencharaktere eingeführt, die man erst einmal einordnen muss. Bei manchen fällt dies leichter, zum Beispiel bei Mitsuki, die mit Akihito zusammen im Literaturclub und scheinbar auch mit ihm befreundet ist. Ihr älterer Bruder Hiroomi ist dagegen ein Rätsel – mit stark ausgeprägtem Schwesterkomplex. Beide sind ebenfalls Geisterkrieger, die in verschiedenen Clans organisiert sind. Jeder verfügt dabei über besondere Fähigkeiten, manche können auch Bannkreise erschaffen. Unter dem Yomu gibt es verschiedenen Formen: Manche verhalten sich wie Monster und sehen auch so aus, andere sind den Menschen sehr ähnlich und arbeiten sogar mit ihnen zusammen. Die Geisterkrieger werden übrigens je nach der Art des Yomu, den sie eliminiert haben, bezahlt. Von den Dämonen bleibt nämlich eine Art Edelstein übrig, der anschließend untersucht werden kann.

Beyond the Boundary braucht etwas Zeit, um zu begeistern, schafft es aber spätestens ab der Episode „mondscheinviolett“ den Zuschauer mitzureißen. Anfangs weiß man noch nicht so richtig, wo die Serie eigentlich hinwill und der niedliche Horror ist bestenfalls niedliche Mystery.  Doch dann nimmt die Handlung rasant an Fahrt auf und zeigt, dass sie die Bezeichnung Horror durchaus verdient und selbst im blutigen Chaos noch eine süße Seite hat. Die Kombination aus blutigem Horror und einer so liebenswerten Protagonistin ist ungewöhnlich und macht den Reiz der Serie aus. Glücklicherweise wird es mit der Niedlichkeit nicht übertrieben, sodass der düstere Ton der Story glaubwürdig bleibt. Trotz diverser Comedyeinlagen ist die Geschichte um Mirai und Akihito sehr ernst, entsprechend gibt es viele tiefgreifende Dialoge, die zum Nachdenken anregen und die Meinung über die Charaktere immer wieder verändern.

Animationen, Soundtrack und Synchronisation

Beyond the Boundary hat einen ganz eigenen Stil und vermag es mittels verschiedener Farbkonzepte ganz besondere Stimmungen zu erzeugen, insbesondere wenn es abends wird und das Übernatürliche um sich greift. Dabei werden überwiegend Blau-, Violett- und Orangetöne genutzt, die die mystische Komponente der Serie unterstreichen. Die tiefsinnigen Dialoge werden meist an herrlich atmosphärischen Schauplätzen inszeniert, beispielsweise auf einem Spielplatz umgeben von blühenden Kirschbäumen. Mirai und Akihito sind auch optisch recht ungewöhnliche Protagonisten, die mit ihren hellen Haaren und der etwas altmodischen Kleidung auffallen. Mimik und Gestik wirken lebendig und die Kampfszenen beeindrucken mit einer spektakulären Dynamik, die jedoch nie übertrieben wirkt. Auch die Hintergründe sind durchweg gut gezeichnet. Das einzige, was wirklich negativ auffällt, sind die Profilansichten der Charaktere. Da wirkt dann plötzlich die Nase zu lang und das ganze Gesicht erscheint leicht verformt.

Der Soundtrack begeistert mit eingängigen Melodien und schafft eine überraschend warme Atmosphäre. Das melancholische Opening-Theme "Kyōkai no Kanata" stammt von Minori Chihara und das herzliche Ending-Theme “Daisy” von Stereo Dive Foundation. Beides sind typisch japanische Lovesongs, wobei das Opening von einer Frau gesunken wird und sehr eingängig und schnell daherkommt, während das Ending mit der männlichen Stimme ruhiger und herzlicher wirkt. Der Soundtrack hebt sich damit angenehm vom Trend rockig-technoider und austauschbarer Produktionen ab. Da Mirai und Akihito im Zentrum der Handlung stehen und alle Charaktere der Serie miteinander verbinden, konzentriert sich das Storybord von Intro und Outro auf die beiden.

Leider finden sich im Booklet nur die japanischen Synchronstimmen und auch die Disk enthält keine Informationen über die deutschen Sprecher. Allerdings ist bekannt, dass die Synchronisation von DMT (Digital Media Technologie) aus Hamburg stammt, die bereits Noragami und The irregular at magic high school synchronisiert und dabei einen guten Job gemacht haben. Akihito und Mirai haben ihre Stimmen von Tim Kreuer und Saskia Weckler erhalten, die die Persönlichkeit der beiden jeweils sehr gut treffen. Auch die Synchronstimmen von den meisten Nebencharakteren wurden gut gewählt, wobei manch Erwachsener leider viel zu jung klingt.

Blu-ray-Ausgabe

Beyond the Boundary erscheint auf Blu-ray natürlich in HD und hat entsprechend ein sehr scharfes, brillantes Bild. Vor allem die verschiedenen Farbstimmungen kommen wunderbar zur Geltung. Die Klangqualität ist ebenfalls sehr gut und die Lautstärke angenehm. Das Menü ist übersichtlich und passend zum Stil der Serie gestaltet. Die 12-teilige Serie samt OVA wird auf insgesamt vier Blu-rays veröffentlicht, die im Abstand von zwei bis drei Monaten erscheinen. Somit muss man recht lange auf die vollständige Serie warten, zudem wird sie mit vier Volumes vergleichsweise teuer.

Zur Limited Edition gibt es eine Sammelbox mit zwei traumhaft schönen Motiven (ohne FSK-Logo drauf), die die Atmosphäre des Anime perfekt spiegeln. Allerdings erscheint die Verarbeitung der Box nicht ganz so hochwertig wie beispielsweise bei Psycho-Pass. Die Blu-ray selbst steckt in einer ganz normalen, blauen BD-Hülle, die mit einem Wendecover versehen ist. Dazu gibt es ein 24-seitiges Booklet mit (teils amüsanten) Charakterinfos, einem schön gestalteten Episodenguide, diverses Skizzen (zu denen die Anmerkungen leider nicht übersetzt wurden) und Storyboards zum Opening und Ending. Auf der Disk befindet sich zudem noch ein lustiger Mini-Clip zur Serie, der allerdings sehr nach japanischem Geschmack ist.


Fazit

Beyond the boundary – kyokai no kanata ist ein äußerst reizvoller Mix aus düsterer Mystery, Horror und Comedy – garniert mit einer gehörigen Prise Niedlichkeit, die jedoch niemals den ernsten Ton der Geschichte stört. Neben blutiger Action mit spektakulären Kampfszenen liegt der Schwerpunkt der Handlung auf der komplexen Beziehung zwischen Mirai und Akihito, die einen seltsamen Anfang nimmt, aber sich – für beide überraschend – schnell intensiviert. Die Story braucht einen Moment, bis der Funke überspringt, doch dann wird man mitgerissen und die vierte Episode endet leider da, wo es gerade am schönsten ist.

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