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Der Zusammenbruch (Die Nanokriege 1. Band)

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Serie/Zyklus: Die Nanokriege 1. Band
Titel: Der Zusammenbruch
Originaltitel: there will be dragons (2003)
Autor: John Ringo
Übersetzung: Heinz Zwack
Titelbild: Franz Vohwinkel
Verlag/Buchdaten: Wilhelm Heyne Verlag 52098 767 Seiten

Eine Besprechung / Rezension von Erik Schreiber
(weitere Rezensionen von Erik Schreiber auf fictionfantasy findet man hier)

Zuerst einmal, es kommen keine Nanokriege in diesem Band vor, im nächsten wohl ebenso wenig. Mit dem Titel wird dem zukünftigen Leser und potentiellen Käufer vorgespielt, von John Ringo ein Buch in die Hand zu bekommen, dass seinen ‚Invasions’-Romanen ähnelt. Dem ist nicht so. Im Gegenteil. John Ringo geht einen ganz anderen Weg.

Viele Jahrhunderte in der Zukunft gibt es keine Kriege mehr. Die ganze Welt wird von einem Supercomputer namens ‚Mutter’ überwacht und gesteuert. (Lediglich der Name des Computers erinnert an ‚Der Mastercode’ von Scott McBain.) Die Zahl der Menschen sank unter eine Milliarde. Viele Menschen haben sich mittels Nanomaschinen und -technologie körperlich verändert. Manche von ihnen ähneln Zwergen, Elfen und ähnlichem. Andere wiederum haben sich ganz und gar vom menschlichen Körper gelöst und eine andere Form angenommen. Diese Menschen leben zusammen in einer stagnierenden Gesellschaft. Im Prolog des Romans kommt bereits der Computer Mutter zu Wort, der einen Krieg unter den Menschen befürwortet. Allerdings greift der Computer nicht in die Geschehnisse der Menschen direkt ein. Die Menschen sind dabei Überlegungen anzustellen, wie sie sich selbst dazu bringen, kreativer zu sein und gleichzeitig mehr Kinder in die Welt zu setzen. Darüber gibt es in der Führungsschicht unterschiedliche Ansichten. Meinungen prallen aufeinander und eine Lösung scheint nicht in sicht. Es kommt zum Zusammenbruch des Systems. Damit kommen wir dem Untertitel des Buches schon näher. Held der Erzählung ist der Krüppel Herzer Herrick. Zu Beginn stellt er mit seinen verkrüppelten Beinen und defekten Genen eine Herausforderung für die Ärztin dar. Als sie ihn heilen und er wieder laufen kann, kommt es zum erwähnten Zusammenbruch. Die Nanomaschinen können nicht mehr eingesetzt werden und Gruppen von Menschen, die sich zusammenfinden, müssen eine neue Art Gesellschaft aufbauen. Das fällt nicht leicht. Ständige Rückschläge treffen auf Erfolge und beides zusammen, ermöglicht es den Gemeinschaften in verschiedenster gesellschaftlicher Art zu überleben.

John Ringo, mit seiner national-patriotischen Invasions-SF ein Mann der mir gar nicht gefällt, schreibt hier eine durchaus sozialkritische Science Fiction. Anhand einer futuristischen Gesellschaftsform führt er diese wieder zurück in archaische Zeiten, die unserer aber immer noch um Jahrhunderte in der Zukunft entrückt erscheint. Als Rückbesinnung versuchen die Menschen neue Gesellschaftsstrukturen aufzubauen, die zum Teil ein Mittelding zwischen Aristokratie, Zwei-Kammern-System und Lohnsklaverei darstellen. Seine Charakterisierung der handelnden Personen ist sehr viel stärker ins Detail gehend dargestellt als in seinen Invasions-Romanen. Gleichzeitig schafft er es, allein in den Dialogen Spannung aufkommen zu lassen. Die Beschreibungen der Personen, der Handlung und letztlich auch der Umgebung wirkt dahingegen manchmal zu lang. Nicht langweilig, eher langatmig. Er kommt nicht zum Punkt, der zudem in vielen Schachtelsätzen gleich mehrmals gesetzt werden müsste. Mir gefällt an diesem Roman die Social Fiction. Der Aufbau einer neuen Gesellschaft anhand vorgegebener Strukturen, die nun entweder an den Menschen oder der Mensch an die Gegebenheiten angepasst werden muss. Wer also jetzt die Splatter-SF, getarnt als sogenannte Military-SF erwartet, wird enttäuscht. Die Leser die sich gern kritisch mit der Fiction auseinandersetzen, sei es Science oder Social, werden ein interessantes Buch in die Finger bekommen.

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