Text Size

Die Station im Orbit

Bewertung: 0 / 5

Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

stationimorbit

Reihe: Metronom, Band 2
Titel: Die Station im Orbit
Originaltitel: Metronom: Station Orbitale
Text: Èric Corbeyran
Artwork: Gru
Übersetzung: Tanja Krämling
Lettering: Kai Frenken
Buch/Verlagsdaten: Splitterverlag, Juli 2011, 56 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86869-239-6

Eine Besprechung / Rezension von Frank Drehmel
weitere Rezensionen finden Sie hier auf fictionfantasy 

 

 

Während Lynn Forester auf dem Rückweg von einer Probe eines geheimen und verbotenen Untergrundtheaters von ihrem Schwager aufgelauert wird, welcher der jungen Frau handgreiflich und unter Drohungen den weiteren Kontakt zu ihrer Schwester – seiner Frau Lauren -, die im Ministerium eine gehobene Position bekleidet, untersagt, muss der unangepasste Journalist Floreal Linman in den Fängen der Staatsgewalt eine psychische Konditionierung ertragen, die ihn in den Schoß des totalitären Regimes zurückbringen soll.
Bevor der Prozess jedoch erfolgreich abgeschlossen werden kann, entlässt ihn der dubiose Kommissar Radcliff entgegen aller Gepflogenheiten in eine Freiheit, in der ihn der sinistre Geschäftsmann Mr. Loess erwartet, um Linman einen Job anzubieten: vordergründig soll der Journalist zwar nach dem Verbleib Doug Foresters – Lynns Ehemann – forschen, doch Loess' eigentliches Interesse gilt dem fremden Organismus, den Doug und seine Kollegen von ihrer Raummission mit zur Erde gebracht haben.
Da Lynns Ehemann mittlerweile von Unbekannten aus seiner Quarantäne entführt worden ist und sich zudem der Organismus auf der orbitalen Raumstation des Regimes befinden soll, beschließen die junge Frau und der Journalist nach einer kurzen Kontaktaufnahme, sich gemeinsam auf der Station einschleusen zu lassen, um dort mit ihren Nachforschungen zu beginnen, wobei Mr. Loess' Beziehungen ihnen den Weg ebnen.
Während die beiden im Orbit einer tödlichen Verschwörung auf die Spur zu kommen scheinen, laufen die Ereignisse auf der Erde ebenfalls in alles andere als ruhigen Bahnen: nicht nur, dass Lauren beginnt, sich von ihrem Ehemann abzunabeln und zunehmend Partei für Lynn ergreift, auch Radcliff scheint sich vom Regime zu distanzieren, weil es den Beschluss fasst, mit aller Härte und Gewalt gegen die Verbreitung des subversiven Kinderbuchs mit dem Titel "Metronom" vorzugehen.


Da gehaltvolle SF-Storys im Comic nach wie vor die Ausnahme denn die Regel sind und der Genre-Fokus eher auf visuell düsterer oder greller Action mit starker Hard-SF-Note liegt, ist es umso erfreulicher, dass Corbeyran die dystopische Geschichte des ersten Albums mit unveränderter Stärke und Verve fortsetzt. Nach wie vor stehen zwar die starken, charismatischen sowie kantigen Charaktere und ihre Leiden an bzw. ihr Arrangement mit einem menschenverachtenden Regime im Mittelpunkt der Handlung, aber der Autor vergisst über aller Kritik nicht die Spannungsbögen und die Inszenierung von Rätseln und Geheimnissen.
Obgleich Corbyran die Story ruhig voranschreiten lässt, Zeit für Dialoge und die Betrachtung zwischenmenschlicher Beziehungen findet und plakativer, vordergründiger Gewalt zu Gunsten einer Darstellung eher struktureller Gewalt eine vollkommene Absage erteilt, ist das Comic nicht zuletzt dank des grandiosen Artworks Gruns von der ersten bis zur letzten Seite hochspannend und fesselnd.
Visuell dominiert der Kontrast von warmen Brauntönen, in denen sich die Muffigkeit und bedrückende, konservative Präsenz, die äußere, die gelebte Ideologie des Regimes widerspiegelt, und kühlem, technischem Blau, das Grun für die Darstellung gleichsam des Kerns, des Innenlebens des Totalitarismus wählt, für die Gefängnisse, die wissenschaftlichen Einrichtungen oder demagogische Konferenzen, wobei kleine zeichnerische Details – Flecken, Wasserlachen, wirbelnde Papierfetzen, etc. - auf beiden Farb-Ebenen mehr oder weniger deutliche visuelle Hinweise auf Zerfallsprozesse geben.

Fazit: Hochspannende "Social SF", die zwar nicht in jedem Moment überwältigend originell ist, deren dichte, ruhige Story und deren atmosphärisch stimmiges, intensives Artwork den Leser sofort in ihren Bann ziehen.

I WANT YOU

 

Fictionfantasy.de sucht Phantastik-Begeisterte, die bereit sind an dieser Seite mitzuarbeiten.

Die Hilfe kann ganz unterschiedlich sein und muss auch nicht unbedingt das Verfassen von Texten sein - auch am Layout muss gearbeitet werden oder an der Datenbank.

Wenn dies etwas für dich ist, scheibe einfach eine EMail an rupert.schwarz @ gmx.de.

Schriftsonar

Schriftsonar #55 erschienen.

Datastream:
Kai Meyer: Die Krone der Sterne
Ian McDonald: Luna
Ian M. Banks: Surface Detail
Daniel Suarez: Daemon
Daniel Suarez: Dark Net
Daniel Suarez: Kill Decision

 

Phantast

 

PHANTAST ist das kostenlose, gemeinsame Online Magazin von fictionfantasy.de und www.literatopia.de das ca. dreimal pro Jahr erscheint. Wie der Name schon sagt, dreht es sich um die Phantastik in all ihren Ausprägungen. Ob Fantasy, Science Fiction, Horror oder wilde Genremixe - im PHANTAST soll alles vertreten sein!
Für jede Ausgabe gibt es einen Themenschwerpunkt, nach dem sich die Artikel und Rezensionen richten.

Übersicht aller Ausgaben

Top 1000 der SF

Über 300 Leute haben aus über 2000 Büchern die Besten SF Werke abgestimmt. Hier gibt es die Ergebnisse.

Viel Spaß beim Stöbern.

Top 1000 der SF

Wer sind wir?

fictionfantasy ist ein verlagsunabhängiges Rezensionsportal für phantastische Werke und mehr. Derzeit sind über 15.000 Artikel abrufbar!
Du hast fehlende Angaben bei Autoren oder Buchtiteln gefunden? Hast du einen Blog und willst im fictionfantasy-Netzwerk mitmachen? 
Schreibe uns! Kontakt siehe Impressum!