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Essays

Kleines Essay zu Der Herr der Ringe

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Ein kleines Essay zu J. R. R. Tolkiens Kultwerk der Fantasy
Von Holger M. Pohl

Eines gleich vorweg: Dies ist keine Rezension zu den aktuellen Verfilmungen, dem Zeichentrickfilm von 1978 oder den Büchern. Dazu wurde bereits viel gesagt und es wird noch mehr gesagt werden. Dies soll einfach eine kleine gedankliche Auseinandersetzung mit dem 'Herrn der Ringe' und ein paar Dingen drum herum werden.

'Drum herum' - ein Stichwort. Es gibt Fans und es gibt Fans. Stille Fans und laute Fans. Ich würde mich zu den stillen Fans rechnen, weil mir die Lauten zu laut sind. Doch man sieht sie überall, jene Möchtegern-Gandalfs, Masken-Frodos, ja selbst Sauron-Doppelgänger sollen schon gesehen worden sein, manche mit den bekannten Schoko-Eiern einer um solche Ideen nie verlegenen Firma in der einen Hand. In der anderen Hand halten sie eines oder mehrere Bücher, die um die Verfilmungen herum den Markt überschwemmen und die vorher keinen von ihnen interessiert haben: 'Tolkiens Karten von Mittelerde' etwa.

Einerseits ist es schön, dass die aktuelle Verfilmung von Peter Jackson wieder das Interesse an der, man kann es wohl so sagen, Kult-Trilogie der Fantasy geweckt hat. ‚Der Herr der Ringe' und der Name John Ronald Reuel Tolkien, sie gehören mehr oder weniger zur Allgemeinbildung; man muss beide zumindest dem Namen nach kennen. Das mag sich übertrieben anhören, aber es ist so. Tolkiens Saga um Mittelerde ist mehr als nur ein Buch - es ist wie bereits gesagt Kult. Und zwar wirklich Kult, nicht so wie manches, was heute dazu hochstilisiert wird und morgen schon wieder vergessen ist. Man wird mich vielleicht dafür schlagen, dennoch mag die Frage erlaubt sein: Wer wird in 48 Jahren - denn so alt ist 'Der Herr der Ringe' schon - noch von 'Harry Potter' reden? Tolkiens ‚Der Herr der Ringe' wird man dann immer noch kennen ... Dies soll nichts gegen 'Harry Potter' heißen, doch ob es heute schon als Kult bezeichnet werden kann, wage ich zu bezweifeln. Und wie gesagt, wir stillen, leisen Fans, die unseren grünen Schuber mit der alten Übersetzung zu Hause bewahren, als wäre es Sméagols Schatz, sehen diese laute Verehrung mit zwiespältigen Gefühlen.

Denn andererseits ist da diese mit der aktuellen Verfilmung einhergehende, unsägliche Vermarktung - oder zu neudeutsch ‚Merchandising'. Ü-Eier, bunte Begleitbücher, Abziehbilder, Puppen, Kostüme ... man sieht überall Leser mit einem grünen Buch in der Hand; 'Der Herr der Ringe' hat plötzlich Unmassen von Fans - oder solche, die sich dafür ausgeben. Ach, Peter Jackson, was hat Du uns stillen Fans angetan, ist man da versucht zu fragen. Unbestreitbar haben Gandalf, Frodo und all die anderen eine Verfilmung verdient und unbestreitbar ist das, was Peter Jackson mit den drei Teilen auf die Leinwand zauberte, trotz aller Makel wie dem fehlenden Tom Bombadil oder Frodos Auftauchen in Osgiliath oder dem kompletten Fehlen von Saruman im dritten Teil, etwas beeindruckendes, etwas faszinierendes. Etwas, das Maßstäbe für die nächsten Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte gesetzt hat, wenn es um Fanatsy-Filme geht.

Doch müssen wir unseren Helden nun an allen Ecken, in jedem Laden begegnen? Ein bisschen geht dabei auch unsere Phantasie verloren. Wir müssen uns Gandalf Graubart nicht mehr vorstellen - wir können ihn aufs Regal stellen.

Oder, und das erschreckt mich manchmal, wenn der Vergleich anders herum läuft: nicht die Verfilmung wird mit den Büchern verglichen sondern die Bücher mit der Verfilmung. Da kommen dann Sätze wie 'Im Film war das aber ganz anders!' - als ob Tolkien ein Sakrileg begangen hätte, dass er Aragorn als Aragorn beschrieb und nicht wie Viggo Mortensen. Oder dass das Auenland eben so beschrieben wird und nicht wie im Film dargestellt. Solche Stimmen habe ich bereits gehört.

Doch vielleicht gehört dieser ganze Rummel heute eben einfach dazu. Vielleicht könnten solche Filme nicht mehr gedreht werden, ohne das ganze Werbetrommeln. Und vielleicht müssen sich manche wirklich wie ihre Helden verkleiden. Entweder weil sie sie so sehr verehren oder weil ihnen die Phantasie fehlt.

Ich habe drei Jahre lang gewartet, mich jedes Jahr auf die Vorweihnachtszeit gefreut und bin nicht enttäuscht worden. Nun werde ich auf die Extended Version von 'Die Rückkehr des Königs' warten - und dabei 'Der Herr der Ringe' lesen und mich an anderen schönen Büchern aus und über die Welt 'Mittelerde' erfreuen.

HMP

 

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