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Moon Knight - Ganz unten (100% Marvel, Band 27 / Moon Knight 1)

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Serie: 100% Marvel, Band 27 / Moon Knight 1
Titel: Moon Knight - Ganz unten
Originaltitel: Moon Knight - Bottom
Autor: Charlie Huston
Übersetzer: Jürgen Petz
Zeichnungen: David Finch
Tusche: Danny Mihi, Allen Martinez, Victor Olazaba Caimlab Studios
Farben: Frank D’Armata
Lettering: Lucia Troccone
Verlag: PaniniComics, 2007, 152 Seiten

Eine Besprechung / Rezension von Frank Drehmel
(weitere Rezensionen von Frank Drehmel auf fictionfantasy findet man hier)

Auch wenn Moon Knight nie zur ersten Garde der Superhelden gehörte - wie Marc Spector verbittert feststellt -, so gab er als Alter Ego dem verkorksten Leben des Ex-Söldners einen Sinn. Doch diese Zeiten sind vorbei, seit ihn sein Gott Konshu verstieß und ihm sein ehemaliger Freund und späterer Erzfeind Bushman die Beine zertrümmerte.
Heute verbringt Spector seine Zeit im Rollstuhl sitzend in einer düsteren Wohnung, schmeißt Tabletten ein, trinkt Alkohol bis fast zur Besinnungslosigkeit und stößt seine wenigen verbliebenen Freunde - Marlene, Jean-Paul, Crawley - mit seinem abweisenden, schroffen Verhalten bewusst vor den Kopf.
Das Schicksal in Gestalt der Verbrecherorganisation des neuen Komitees hat jedoch noch Pläne für den ehemaligen Helden. Mit Hilfe des brillanten Analytikers 'The Profile' und des Superschurken Taskmaster soll Spector vollkommen gebrochen werden, indem man ihn von seinen Freunden zunächst isoliert, um diese später zu töten, während er selbst zum Zuschauen verdammt ist.
Man hofft, auf diese Weise den weiß gewandeten Rächer als umprogrammierten Mörder im Dienste des Komitees wieder auferstehen lassen zu können. Und in seinem gegenwärtigen Zustand hat Spector insbesondere dem Taskmaster kaum etwas entgegenzusetzen. Die Frage ist: Will er es überhaupt?

Nachdem die letzte reguläre Moon-Knight-Reihe 1994 mit Stephen Platts außerordentlichem Artwork zumindest künstlerisch furios endete und zwei Mini-Serien 1998 und 1999 keine Wiederbelebung des Charakters nach sich zogen, blieb es Huston und Finch vorbehalten, der Figur 2006 unter der Ägide Joe Quesedas neues, nachhaltigeres Leben einzuhauchen. Im vorliegenden Tradepaperback erscheinen die ersten sechs Ausgaben dieser neue Serie, die einen in sich abgeschlossenen Handlungsbogen umfassen, erstmals in deutscher Übersetzung.

Huston, der schon als Krimiautor ein Faible für Verlierertypen zeigte - so in seinem Roman "Der Prügelknabe" -, entwirft auch in Marc Spector das Psychogramm eines auf mehreren Ebenen gebrochenen Helden. Sowohl in körperlicher Hinsicht als auch emotional ist der Ex-Söldner ein Wrack: ein gehbehinderter, drogenabhängiger, vor Selbstmitleid triefender Mensch, der, von seinem Gott verlassen, nicht länger seiner Profession als Kämpfer und Mörder nachgehen kann.
Mit viel Sinn für Details, psychologische Tiefe und emotionale Momente erzählt der Autor die Geschichte von Moon Knights Fall und seiner Auferstehung, wobei er sich -ausgehend von der Gegenwart - zahlreicher Rückblenden bedient und Marc Spector auch aus Sicht seiner Gegner - insbesondere von 'The Profile' - beurteilt.
Dass dieser gebrochene Antiheld, der seinen besten Freund Jean-Paul zunächst für dessen Homosexualität verachtet, der von Marlene mit "egoistischer Bastard" treffend charakterisiert wird und den 'The Profile' als Borderline-Sadisten beschreibt, der sein Selbstwertgefühl daraus zieht, andere zu verletzen und zu töten, sich trotz all seiner Untaten und Gewalttätigkeiten der Sympathie des Lesers sicher sein kann, liegt einzig an seinem unbedingten Willen, selbst ganz am Boden liegend nicht zu kriechen, sondern sich - mit welchen Mitteln auch immer - wieder aufzurichten.

Nicht nur die Story weiß zu überzeugen, auch hinsichtlich der grafischen Gestaltung ist dieser Comic auf der Höhe der Zeit. Finchs diffiziler, detailreicher Duktus schafft einen hohen Wiedererkennungswert der Figuren, verleiht ihnen Volumen und Einzigartigkeit. Zudem schreckt der Zeichner auch vor drastischen Szenen und plakativer Gewalt nicht zurück, sondern zelebriert mit feinem Strich das Ausstechen von Augen, das Abziehen der Gesichtshaut oder das Aufschlitzen eines Opfers.
Bei der Kolorierung kommen vornehmlich gedeckte Farben mit hohem Blauanteil zum Einsatz, in denen sich die emotionale Kälte und Düsternis der Story treffend widerspiegelt. Hinsichtlich der Seitenaufteilung bzw. der Panel-Anordnung sind Anlehnungen an das Medium Film unverkennbar: Überblendungen, parallel ablaufende Szenen, harte Schnitte, Großaufnahmen und ungewöhnliche Perspektiven sorgen für eine außerordentlich hohe Dynamik und Lebendigkeit.
Der einzige Wermutstropfen ist die meiner Ansicht nach übertriebene grafische Schwere und Kompaktheit des kostümierten Helden, dessen klobige, erdgebundene Statur im krassen Gegensatz zu der eher lässigen Eleganz der älteren Moon-Knight-Inkarnationen steht, einer Schwere und Kompaktheit, die sich nicht so recht mit der Leichtigkeit und kalten, ephemeren Schönheit silbernen Mondlichts in Einklang bringen lässt.

Die Aufmachung des TPB ist wie üblich exzellent: eine Covergalerie, ein kurzes Vorwort sowie jeweils eine Kurzbiografie Finchs und Hustons runden das auch hinsichtlich der Druckqualität bestechende Gesamtbild dieses Comic-Bandes ab. Lediglich der Verzicht auf eine Übersetzung des Schurken-Namens 'The Profile' mit 'Der Profiler' - in der heutigen Zeit ein durchaus allgemein geläufiger Begriff - stört den Eindruck 'technischer' Vollkommenheit. Nennt mich altmodisch, aber englische Artikel in einem deutschen Comic kommen mir subversiv vor.

Fazit: Die düstere Story und das erstklassige, harte Artwork sind eher für reifere Comic-Enthusiasten geeignet. Die Kleinen sollten bei Micky Maus oder X-Men bleiben.