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Mystic City - Das gefangene Herz

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Genre: Dystopie / Science Fantasy
Titel: Das gefangene Herz
Reihe: Mystic City
Autor: Theo Lawrence
Daten: Ravensburger (Mai 2013), gebunden mit Schutzumschlag, 416 Seiten, 16,99 EUR, SBN: 978-3-473-40099-7

Eine Rezension von Judith Madera (Weitere Rezensionen von Judith Madera findet ihr hier auf fictionfantasy oder auf ihrer Website www.literatopia.de)

Manhatten steht unter Wasser und der Klimawandel sorgt für eine unerträgliche Hitze. In den Tiefen der Stadt kämpfen Arme und Mystiker ums Überleben, während die Wohlhabenderen sich unter die Dächer der Stadt zurückgezogen haben, wo metallene Brücken Wolkenkratzer miteinander verbinden. Dazwischen leuchten geisterhaft die Mystikertürme, voller Energie, die die Stadt den magisch begabten Menschen „abschöpft“. So entkräftet sind diese schließlich keine Gefahr mehr für eine Gesellschaft, die von zwei ehemals verfeindeten Familien, den Roses und Fosters, regiert wird. Aria gehört zu einer dieser Familien, die ähnlich einem Mafiaclan über New York herrscht. Sie hat ihr Gedächtnis verloren und soll den Sprössling ihrer einstigen Feinde heiraten, um gemeinsam gegen die Mystiker vorzugehen.

Ihre Eltern behaupten, sie hätte eine Überdosis einer mystischen Droge genommen, doch Aria kann sich das nicht vorstellen. Auch an ihren angeblichen Verlobten kann sie sich weder erinnern, noch irgendetwas für ihn empfinden. Auf ihrer Suche nach der Wahrheit begegnet sie dem Rebellen Hunter, der sie in den Tiefen Manhattens vor einer Gruppe aufdringlicher Jugendlicher rettet. Hunter ist ein Mystiker, ein unverschämt gut aussehender noch dazu. Seine freche und gleichzeitig geheimnisvolle Art gefällt Aria, doch eine Verbindung erscheint ihr unmöglich. Schließlich waren es Mystiker, die für das große Feuer verantwortlich waren. Sie sind Bestien, die ihre mystischen Kräfte benutzen, um Menschen zu schaden. Oder etwa nicht? Arias Gefühle für Hunter und ihre Zweifel an der bestehenden Ordnung bringen sie und viele andere in Gefahr.

Schon auf den ersten Seiten ist klar: Arias Gedächtnis wurde von ihrer eigenen Familie absichtlich gelöscht. Dadurch kommt sofort eine beklemmende Stimmung auf, die sich durch den gesamten Roman zieht: Wie können Eltern ihrem Kind so etwas antun? Insbesondere Arias Vater ist blind vor Machtstreben, dabei scheint er seine Tochter wirklich zu lieben. Das macht es umso tragischer, dass er für die Familienehre und politische Machenschaften bereit ist, sein Kind zu opfern. Die Mutter ist dem Vater treu ergeben und ein schönheitsoperierter Eisklotz, während Arias „Freundinnen“ naive It-Girls sind, die sie mehr als Schmuck betrachten und nicht als Menschen. Dieser glitzernden Welt stehen die düsteren Tiefen Manhattens gegenüber, in denen Obdachlose und Arme hausen und die Mystiker in ein Ghetto gesperrt werden, das denn höhnischen Titel „Prächtiger Block“ trägt. Sie alle sind registriert und ihre mystische Energie wurde abgeschöpft – in einer schmerzhaften und menschenunwürdigen Prozedur.

Seit einem verheerenden Anschlag werden alle Mystiker als potentielle Terroristen stigmatisiert und unterdrückt. Mystic City spielt in einer Parallelwelt, in der mystisch begabte Menschen geholfen haben, die amerikanischen Städte aufzubauen und sie gegen die Folgen des Klimawandels zu rüsten. Wir befinden uns in einer Zukunft, in der Türen fast nur noch mit Fingerabdruckscannern zu öffnen sind und jeder jederzeit überwacht werden kann. Da dieses Überwachungsnetz jedoch von den Mystikern aufgebaut wurde, gibt es Schlupflöcher. Aria erhält unbekannte Hilfe, wenn sie in den Tiefen nach Hunter sucht und bis zum Ende des Romans erwarten den Leser einige Überraschungen was vermeintliche Verbündete und vermeintliche Feinde angeht. Die Atmosphäre des permanenten Misstrauens macht Mystic City zu einem wahren Pageturner und Theo Lawrence gelingt es, die Spannung selbst in ruhigen Momenten hoch zu halten. Das toll ausgearbeitete Setting trägt sein Übriges dazu bei, dass die Seiten nur so dahinfliegen. Der Roman liest sich, als würde man ganz und gar in diese Parallelwelt eintauchen. 

Die Liebesgeschichte zwischen Aria und Hunter entwickelt sich wie ein langsamer Sturm. Die Luft knistert zwischen den beiden, doch im Strudel der Ereignisse bleibt ihnen kaum gemeinsame Zeit. Dennoch können sie sich hin und wieder ein paar Stunden stehlen, die dafür umso intensiver sind. Ein wenig klischeehaft liest sich ihre Geschichte schon, insbesondere im Hinblick auf die Anspielungen auf Romeo und Julia. Doch wo diese oftmals in Kitsch münden, gelingt Theo Lawrence eine moderne Version das Shakespeare-Klassikers, die berührt und nachdenklich stimmt. Die Mischung aus düsterer Zukunftsvision, Fantasyelementen und junger Liebe funktioniert einfach ungemein gut. Mystic City trifft zudem den Nerv der Zeit: Umfassende Überwachungen werden mit der Gefahr des Terrorismus gerechtfertigt. Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor?


Fazit

Mystic City - Das gefangene Herz ist ein spannender Trilogieauftakt und ein Juwel unter den Dystopien: Der urbane Flair eines versunkenen Manhattens, die geheimnisvollen Mystiker und nicht zuletzt die jugendlich kopflose Liebesgeschichte machen Theo Lawrences Roman zu einem echten Pageturner. Actionreich, berührend und hochatmosphärisch!

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