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Titel: World of Warcraft Blizzard Entertainment PC / Online-Rollenspiel (Fantasy)
Eine Besprechung / Rezension von Gloria H. Manderfeld
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Nachdem die Völker Azeroths es gemeinsam geschafft hatten, die Bedrohung ihrer Welt durch untote Heerscharen abzuwenden, zeigt sich nach und nach, wie bröckelig dieses Arrangement unter den so unterschiedlichen Rassen doch ist - Menschen und Orken, die Feinde von einst, entfernen sich mehr und mehr voneinander, und ein jedes Volk muss in alter oder neuer Heimat versuchen, sich wieder einen sicheren Standort zu verschaffen. Während die Menschen, in fester Verbundenheit zu den Gnomen, Zwergen und Nachtelfen, auf dem Kontinent der östlichen Königreiche die mächtige Stadt Stormwind wiederaufbauen und ihren Einfluss in den umliegenden Gegenden zu stärken versuchen, haben sich die Orken auf dem Kontinent Kalimdor eine neue Heimat gesucht und gefunden, welche sie mit den Trollen und Tauren teilen, auch die Untoten haben sich, von den Ruinen der einstigen Hauptstadt Lordareon aus, der Seite der Orks angeschlossen. Und wieder stehen die Zeichen der Zeit auf Krieg, diesmal jedoch nicht gegen einen Feind von aussen, sondern gegeneinander, und jedes Scharmützel zwischen der Allianz, von den Menschen geführt, und der Horde, unter der Führung der Orken, scheint die Gräben zwischen beiden Lagern nur tiefer zu ziehen ...
In diese Welt tritt der Spieler ein und muss sich sogleich entscheiden: Welche Seite möchte man spielen, Horde oder Allianz, welche der jeweils vier Rassen erscheint am ehesten interessant und vor allem, welcher Beruf ist es, der den Charakter für seine künftige Existenz begleiten wird? Schon das Einstiegsmenu gibt dem Spieler eine kurze Übersicht darüber, welche Möglichkeiten ihm offenstehen, dazu eine knappe Beschreibung der Seite (Allianz oder Horde), der Rasse (Mensch/ Zwerg/ Nachtelf/ Gnom oder Ork/ Troll/ Taure/ Untoter) und des möglichen Berufs (Krieger, Paladin, Priester, Magier, Schurke, Hexenmeister, Schamane, Druide oder Jäger). Hat man sich für diese drei grundlegenden Dinge entschieden, entsteht eine Charakter-Rohform in der Bildschirmmitte, die man personalisieren kann - Geschlecht, Hautfarbe, Fellzeichnung, Schmuck, Bartform und andere Möglichkeiten stehen hierbei offen, für jede Rasse angepasst. Zu guter Letzt fehlt noch ein stimmiger Name, und man kann seinen Charakter in die Welt entlassen - jede Rasse hat einen eigenen Einleitungsfilm, der den Spieler während der Charaktergenerierung über die jüngste Geschichte und die Haltung seiner Rasse im tobenden Konflikt der beiden Seiten aufklärt. Dann ist man bereit, das Spiel zu beginnen und kann sich zuerst im Startgebiet der jeweiligen Rasse mit der Steuerung und den Charakterfähigkeiten vertraut machen.
Die wichtigste Entscheidung jedoch wird vom Spieler schon vor der Charaktergenerierung verlangt - nämlich die Wahl des Servers. Dabei gibt es drei verschiedene Arten, unter denen man sich einen Server aussuchen kann: PvP, PvE und RSP - Server. Auf einem PvP-Server (Player versus Player) können Spieler nicht nur gegen Monster, sondern auch ohne jegliche Hemmungen gegeneinander kämpfen, jedes Level gegen jedes Level. Dass ein Level 20 Krieger nicht besonders viele Chancen gegen jemanden mit Level 60 haben wird, dürfte klar sein - ebenso, dass PvP sowohl viel Spaß, als auch viel Frust bringen kann. Hier geht es darum, die Fähigkeiten der Charakter-Berufe optimal zu kennen und gegen andere einzusetzen, da es für jeden getöteten Gegner ähnlichen Levels Ehrenpunkte gibt. Je mehr Ehrenpunkte ein Spieler erwirbt, desto höher steigt er im Rang seiner gewählten Seite, und je höher der Rang ist, desto eher kann man bestimmte, besondere Gegenstände erhalten, die Fähigkeiten steigern oder besser schützen. Auf einem PvP Server ist es nicht möglich, beide Seiten zu spielen, man muss sich für entweder Allianz oder Horde entscheiden, und kann dann auch nur Charaktere der jeweiligen Seite erstellen.
Hat man sich nun für eine Serverart entschieden, kann man endlich die Spielewelt betreten - für jede Rasse gibt es ein kurzes Video, das einem das Startgebiet der jeweiligen Rasse zeigt, dazu einige gesprochene Erklärungen über die jüngere Geschichte der Rasse - und schon zentriert sich der Blick auf den noch jungen Charakter, der inmitten verschiedener NPCs (Non-Player-Charaktere) im Startgebiet der gewählten Rasse steht. Ein gelbes Ausrufezeichen über den Köpfen verschiedener NPC's zeigt einem schnell, wer eine Quest (=Aufgabe) zu vergeben hat, nimmt man diese an, erhält man bei erfolgreicher Lösung Erfahrungspunkte und mit etwas Glück auch einen nützlichen Gegenstand. Für jede Klasse gibt es bei Erreichen eines bestimmten Charakterlevels eine Klassenqueste, die einem entweder besondere Klassenfähigkeiten freischaltet oder einem nützliche Items für die eigene Klasse einbringt - als Beispiel sei der Schurke genannt, der die Fähigkeit des Waffenvergiftens nur durch die erfolgreiche Lösung einer Quest ab Level 20 erlernen kann. Andere Questen bestimmen sich durch die zusätzlich erlernten Berufe - spezielle Quests zur Steigerung der Fähigkeiten Kochen und Angeln, aber auch der Ersten Hilfe versprechen viel Abwechslung.
Natürlich kann man seine Erfahrungspunkte auch durch das töten von Monstern allein erlangen (das sogenannte 'grinden')- im Kontext mit einer Questlösung allerdings erhält man immer einen guten Batzen Erfahrungspunkte extra für dieselbe Tätigkeit, in sofern lässt sich das selten jemand wirklich entgehen. Wenn der Charakter langsam an Leveln gewinnt, zeigt sich ein weiteres Detail an WoW: Die Klassen-Trainer, besondere NPCs, die einen Charakter alle 2 Level neue Fähigkeiten oder Verbesserungen vorhandener Fähigkeiten ihrer Klasse gegen ein entsprechendes Entgelt lehren. Auf Level 2 ist dies zum ersten Mal möglich, den letzten Schliff erhält der Charakter auf Level 60. Wer sich an die Quests hält und im Startgebiet die ersten Einblicke in die Welt und das Spielen des Charakters gewonnen hat, wird bald Neues sehen wollen - auch hier bietet WoW einen bisher nach meiner Erfahrung einzigartigen Service, denn wieder geleiten einen rassenspezifische Aufträge und Quests von einem Gebiet in das nächste, für das erreichte Level geeignete.
Es ist natürlich auch möglich, schon mit einem niedrigen Level andere Gebiete zu bereisen, allerdings lauern auch am Straßenrand bisweilen Monster, die mit einem zu schwachen Charakter kurzen Prozess machen - ein neues Gebiet vollständig zu erkunden lohnt sich auch deswegen, weil an versteckten Orten oft neue Questgeber oder besonders schöne Gegenden auf den Suchenden warten. Ab Level 10 wartet eine weitere Personalisierungs- und Verbesserungsmöglichkeit des eigenen Charakters auf den Spieler - pro Level wird jeweils 1 neuer Talentpunkt vergeben, den man nutzen kann, um vorhandene Klassenfähigkeiten zu verstärken und zu verbessern - je mehr Punkte man für eine der drei pro Klasse möglichen Entwicklungsrichtungen verteilt, desto hilfreicher und machtvoller werden die dadurch freigeschalteten Möglichkeiten.
Wer irgendwann des Questens überdrüssig ist - übrigens ist es möglich, fast ohne jegliche Hilfe von anderen die meisten Quests zu lösen - kann sich auch für die themenbasierenden Instanzen Freunde suchen, um im Team durch diese besondere Art Dungeon zu gehen und sich bis zum Endgegner durchschlagen, der immer besonders wertvolle Gegenstände im Loot hat (Loot=Gegenstände oder Gold, das nach dem Tod eines Monsters in dessen Körper zu finden sind). Die Instanzen von WoW sind für Gruppen von 5 bis 40 Personen ausgelegt und sind, während Spieler der eigenen Gruppe darin sind, auch nur für diese geöffnet, das heisst, anders als in freier Wildbahn kann hier niemand einen stören oder einem die wichtigen und wertvollen Gegner wegschnappen. In den Instanzen sind die Gegner klar darauf ausgelegt, dass eine Gruppe sie tötet, alleine sind gleichlevelige Gegner nicht zu schaffen. Wer Gegenstände findet, die er nicht selbst brauchen kann, die aber selten genug sind, um sie mit Gewinn verkaufen zu können, kann sich nach Ironforge (Allianz), Orgrimmar (Horde) oder Gadgetzan (neutral) begeben, um diese Gegenstände im dortigen Auktionshaus zu versteigern und damit oftmals einen guten Gewinn zu erzielen - ebenso kann man fündig werden, wenn man bessere Waffen, Rüstung, Tränke und alle möglichen anderen Dinge sucht.
Ab Level 40 bietet sich einem Charakter die Möglichkeit, ein Reittier zu erwerben, das einem eine erheblich schnellere Bewegung durch die oft recht weitläufigen Gebiete gestattet - wenn man die nötigen Kosten aufbringen kann, denn zur Anschaffung eines Reittiers gehört auch das rassenspezifische Erlernen der Reitkunst. Dieses Reittier ist 60% schneller als die normale Laufgeschwindigkeit, auf Level 60 kann man ein episches Reittier zu einem absolut exorbitanten Preis erwerben, das 100% schneller ist. Paladine, Jäger und Hexenmeister haben zudem den Vorteil, auf Level 40 und 60 spezielle Quests zu erhalten, die ihnen den kostenlosen Erwerb eines Reittiers möglich machen - allerdings sind diese Quests teilweise sehr umfangreich und kosten anstatt Gold Nerven.
Wer sich ein Haustier zulegen möchte, kann in jeder Hauptstadt seiner Fraktion welche erwerben, beispielsweise Kakerlaken in Undercity, der Stadt der Untoten, oder Eulen in Darnassus, der Heimat der Waldelfen. Andere, mechanische Haustiere können von Spielern mit der Fähigkeit Ingenieurskunst zusammengebastelt werden, wiederum andere findet man als Drop in freier Wildbahn, wenn man eine größere Menge an Wildtieren derselben Art abschlachtet, andere Haustiere erhält man durch das Lösen einer Quest - für jeden Geschmack ist also etwas dabei - vom kleinen weissen Kätzchen über ein mechanisches Huhn, einen bunten Frosch bis hin zu Minidrachen oder Papageien.
Wem Instanzen und Questen nicht als Nervenkitzel ausreichen, der kann sich auch noch in die Schlachtfelder begeben, um dort teambasiert PvP gegen Spieler der anderen Fraktion zu betreiben - je nach Aufgabenstellung kommt man dabei in ein King-of-the-Hill-Szenario (Einnehmen und Halten bestimmter Orte gegen den Gegner) oder in ein offenes Kräftemessen mit den Mitspielern. Da das Kräfteverhältnis Horde/Allianz von Server zu Server verschieden ist, kann es hier jedoch zu Wartezeiten kommen, falls von der anderen Seite nicht genügend Kämpfer vorhanden sein sollten.
Nach dieser eher informativ gehaltenen Vorstellung einiger (aber längst nicht aller) Features von WoW und dem Weg eines neuen Charakters im Spiel möchte ich allerdings auch noch die Dinge nennen, die mir persönlich am Besten bisher gefallen haben und die dafür sorgen, dass ich auch nach einem halben Jahr bald immernoch regelmäßig spiele:
- Landschaftsvielfalt und Detailreichtum: Jedes Gebiet hat seinen eigenen Charme, sei es nun ein üppiger und bunter Urwald, eine Schneelandschaft, eine Wüste, ein verheertes Gebiet mit Staubboden oder ein Tannenwald, immer kann man sich unglaublich schnell in eine bestimmte Gegend einfühlen und wird von der Stimmung mitgetragen. Kleine Hütten, in der Landschaft verborgen liegende Aussichtspunkte wie Wasserfälle oder Seen, Statuen, elfische Ruinen, man entdeckt trotz langem Aufenthalt in einem bestimmten Gebiet immer wieder etwas Neues. Der augenzwinkernde Charme des Spiels findet sich selbst in Statueninschriften oder NPC-Sprüchen wieder, wenn man beispielsweise an spielenden Kindern vorbeikommt und diese um eine Puppe streiten.
- Viele Eastereggs und Anspielungen: WoW steckt voller Eastereggs und Anspielungen auf Bücher, Filme und Fernsehserien, die man oft erst im zweiten Blick bemerkt. Bei einer Magier-Klassenquest muss man sich beispielsweise als Ghostbuster betätigen und umherirrende Geister in einer blinkenden Schachtel einfangen, in der Goblinstadt Booty Bay findet sich ein Goblin-Meisteringenieur namens Scooty, der einen Apparat betreut, der verdächtig an den Transporter der Enterprise erinnert - und so weiter. Viele Fans haben sich damit beschäftigt, Eastereggs zu finden, und man entdeckt doch immer wieder etwas, das nicht in den einschlägigen Listen befindet. Gerade solche Details zeigen, dass WoW nicht nur auf Kommerz ausgerichtet ist, sondern mit viel Liebe und Blick für Kleinigkeiten gestaltet wurde.
- Stetiger Contentzuwachs: Einmal die Woche werden die Server (Mittwoch Morgen von 3-11 Uhr in der Regel) heruntergefahren und gewartet, oftmals kommt durch einen dann aufgespielten Patch neuer Spielcontent hinzu - seien es Bugfixes, neue Klassenfähigkeiten oder neue Gebiete. Zu weltlichen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern gibt es ebenfalls besondere Quests und Items zu entdecken, das Helloween-Event 2005 namens 'Schlotternächte' gibt einem die Möglichkeit, jede Stunde einmal bei einem Gastwirt 'Süsses oder Saures' zu spielen, wobei man bei 'Süsses' ein Geschenk in Form von Süssigkeiten oder einem Stab erhält, mit dem man andere Spieler in ein bestimmtes Kostüm verwandeln kann, bei 'Saures' wird man selbst verwandelt - in ein Skelett, einen Leptragnom, Geist, Pirat und vieles mehr. Solche Neuerungen bieten einfach sehr viel Abwechslung und Spaß und zeigen, dass man auch auf Seiten der Entwickler bemüht ist, ein vielseitiges Spiel zu schaffen.
- WoW solo geht, aber in der Gruppe macht es mehr Spaß: Wer nicht ein konstanter Eigenbrötler ist, der Gilden für komplett unsinnig hält, findet eigentlich recht schnell Anschluß an Mitspieler. Gemeinsam eine Instanz zu spielen, gibt ein nicht zu unterschätzendes gemeinschaftliches Erfolgsgefühl, und durch den extra Gilden-Chatchannel für Unterhaltungen kann man sich, egal wo man ist, bequem mit anderen Spielern unterhalten und eventuell aufkommende Langeweile bei der Lösung einer komplizierten Quest bekämpfen oder bei Problemen sehr schnell Hilfe holen. Man hat einfach immer Anschluss an andere und kann so auch seine persönlichen 'Erfolge' im Spiel teilen. Spieler, die einen auf Dauer nerven, kann man durch die 'Ignorieren' Funktion sehr gut ausblenden und wird durch deren Verhalten nicht mehr behelligt.
Mein Fazit: World of Warcraft ist ein vielseitiges, detailreich gestaltetes MMORPG, an dem man langfristig Spaß finden kann, wenn man das auch auf RP-Servern nicht übermäßig umfangreich vorhandene Rollenspiel nicht als Manko empfindet und eine gewisse Unempfindlichkeit gegenüber 'Nerds' mitbringt - die Art an Spielern, die sich einfach schlecht benehmen, weil sie glauben, die Anonymität des Internets würde sie vor Folgen ihres Handelns schützen. Auch im Endgame-Content für Level 60-Charaktere gibt es noch recht viele Möglichkeiten der Beschäftigung, die stärksten Bossmonster des Spiels sind nur mit einer guten Taktik und einem noch besseren Team zu erlegen. Durch die Klassenvielfalt spielt sich jede Klasse einzigartig und es gibt für jede Klasse stets die Möglichkeit, sich dem individuellen Spielstil entsprechend zu verbessern.
(Ps.: Die Screenshots sind alle von mir selbst erstellt, der dort zu sehende Charakter ist meine Zwergen-Schurkin Arescha auf dem PvE-Server Kargath, bei Erstellen dieser Rezension auf Level 46. Informationen über Endgame-Content sind aus Gesprächen mit anderen Gildenmitgliedern gewonnen)
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