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Sekundäres - Film

Plug & Pray

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Titel: Plug & Pray
Regie: Jens Schanze
Darsteller: Joseph Weizenbaum, Raymond Kurzweil, Minoru Asada, Hiroshi Ishiguro, Giorgio Metta, Hans-Joachim Wünsche u.a.
Musik: Rainer Bartesch
Laufzeit: 91 min
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
erschienen bei Lighthouse Home Entertainment, 2011
USA, 2010

Eine Besprechung / Rezension von Jürgen Eglseer
(weitere Rezensionen von Jürgen Eglseer auf fictionfantasy findet man hier)

Der Dokumentarfilmer Jens Schanze widmet sich in seinem neuen Werk "Plug & Pray" der Frage, inwieweit künstliche Intelligenz schon jetzt unseren Alltag bestimmt, welche Entwicklungen absehbar sind bzw. von welchen Visionen die Wissenschaftler getragen werden. Dabei dreht sich ein gutteil des Filmes um die moralischen und sozialen Fragen, die eine künstliche Intelligenz aufwirft.
Schanze benutzt als Sympathieträger und wiederkehrender Angelpunkt in seinem Film den Mitentwickler der Computertechnik, Joseph Weizenbaum, begleitet ihn in seinem Alltag am Ende seines Lebens in einer Berliner Wohnung. Welche Rolle Weizenbaum spielt, wird schon klar, als der Pionier des Computertechniks vor den Bootproblemen seines Apple-Computers scheitert oder er auf das große Kabelkäuel hinter dem Schreibtisch verweist und dabei süffiziant die Fortschritte der kabellosen Datenübertragung lobt. Weizenbaum hat sich eines Tages von einem Vertreter der zügellosen Fortentwicklung der Computertechnik zu einem Mahner und Kritiker gewandelt. Dabei wurde er von einem Großteil seiner Kollegen abgelehnt bzw. seine Äusserungen nicht ernst genommen. Doch wie weit darf die Entwicklung der künstlichen Intelligenz gehen? Wie weit darf der Mensch gehen, selbst eine neue Rasse zu schaffen, die sich vielleicht eines Tages sogar sich selber bewußt ist?
Ein Vertreter des unbändigen Forscherdrangs, der unendlichen Visionen, ist der Amerikaner Raymond Kurzweil. Er predigt eine Fortführung der Evolution des Menschen, die Verschmelzung zwischen Mensch und Maschine. Als Endzielt nennt er in seinem Interview, das er betont heilsgeberisch führt, gar die Unsterblichkeit des Menschen.
In Japan und in Italien besucht Jens Schanze Labore, in denen menschenähnliche Roboter gebaut werden. Während Giorgio Metta mit seinem iCub den Ansatz verfolgt, die Intelligenz eines dreijährigen Kindes zu erschaffen, wendet sich der japanische Wissenschaftler Hiroshi Ishiguro eher einer äusserlichen Kopie des Menschen zu und baut eine Art menschenähnlichem Chatbot. In Deutschland besucht Schanze eine Wehrmesse, auf der Hans-Joachim Wünsche einen Prototyp eines selbstständig steuernden Fahrzeuges präsentiert. Das der Versuch nicht ganz klappt ist vielleicht symptomatisch, denn der ganze Bereich der Wehrtechnik wird nur ansatzweise gestreigt. Drohnen und Konzepte robotischer Soldaten werden nicht genannt.
Während die oben genannten Wissenschaftler kurz porträtiert werden und in nicht allzulangen, sich miteinander abwechselnden Einblendungen von ihrer Arbeit berichten, ist das Herzstück der Dokumentation die indirekte, teils scharf geführte Diskussion zwischen den grundsätzlich unterschiedlichen Konzepten und Vorstellungen von Weizenbaum und Kurzweil. Vielleicht etwas schade und eine vertane Chanze - Schanze lässt beide Vertreter ihrer Schule ohne Zwischenfrage oder Reflektion reden. Hier wünschte man sich bei mancher Aussage vielleicht eine kritische Replik.

Unterm Strich liegt hier eine äusserst interessant gestaltete Darstellung des aktuellen Stands der Forschung vor plus eine unterhaltsam geführte Diskussion, welchen Nutzen und welches Ziel die Entwicklung künstlicher Intelligenz haben soll. Durch die Allgemeinverständlichkeit der benutzten wissenschaftlichen Sprache und der einprägsamen Bilder in Verbindung mit der aufgeworfenen Fragestellung als Bildungsprogramm für Schulen sehr geeignet.

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