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Die Kobolde Irlands (Professor Bell, Band 5)

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Serie: Professor Bell, Band 5
Titel: Die Kobolde Irlands
Originaltitel: Professeur Bell – L'Irlande à bicyclette
Text: Joann Sfar
Zeichnungen: Hervé Tanquerelle
Farben: Walter
Übersetzer: David Permantier
Ausstattung: Albumformat, Broschur, 46 Seiten
Verlag: Avant-Verlag, 2008, ISBN: 978-3939080-55-8

Eine Besprechung / Rezension von Frank Drehmel
(weitere Rezensionen von Frank Drehmel auf fictionfantasy findet man hier)


Professor Bell wird von düsteren Alpträumen geplagt, die ihn kaum eine Nacht durchschlafen lassen. Als Urheber der Nachtmahre glaubt er – mittlerweile dem Wahnsinn nahe –, seinen Erzfeind Adam Worth ausgemacht zu haben, und beschließt, den Widersacher kurzerhand zu erschießen. Zwar können seinen alter Freund Ossur und der Hausdämon Eliphas ihn nicht zurückhalten, aber da das Worth'sche Anwesen stark bewacht ist, scheitert Bell glücklicherweise. Ein weiteres blutiges Ereignis während einer Vorlesung, dem um Haaresbreite Conan Doyle zum Opfer fällt, bringt den Tobenden immerhin so weit zur Vernunft, dass er sich auf einen Erholungsurlaub begibt.
Gemeinsam mit Ossur und Eliphas veranstaltet der Professor eine Fahrradfahrt durch Irlands Norden. Schon im ersten kleinen Weiler, in dem sie abends einkehren, geschieht Merkwürdiges. Die Bewohner des Ortes scheinen in Zombies verwandelt worden zu sein, und zwar von den Geistern der Gegend, die sich voller Angst in die menschlichen Körper gezwängt haben, weil es auf ihrem eigenen Friedhof spuken soll: in ihren angestammten Grüften treiben nunmehr die Kobolde Irlands ihr Unwesen; und mit dem Feenvolk ist nicht gut Kirschen essen.
Für den Professor ist die Rettung der Dörfler und der Geister Anlass genug, der Sache auf den Grund zugehen. Und in der Tat treiben sich in einer Gruft seltsame Gestalten herum: alte nackte Leute, augenscheinlich Mitglieder eines Swinger-Club, die unter Erde ihren eigenwilligen Zeitvertreib suchen. Dass Bell die grotesken Figuren nicht ernst nimmt, erweist sich kurz darauf als schwerer Fehler, denn unversehens findet sich der Professor in der Anderswelt wieder, aus der ihn nur noch ein alter Freund namens Grumbart, ein imposanter, trunk- und sexsüchtiger Kerl mit besten Verbindungen zu den Feen befreien kann.

Auch wenn das Artwork inkohärent erscheint – unterscheiden sich doch Art und Umfang der fast schon stilprägenden Schraffuren zuweilen von Panel zu Panel -, so stellt dieser fünfte Band das bisherige Highlight der Serie dar. Nicht nur, dass die visuell düstere Story den Leser in die irische Sagenwelt führt, dass mit Zombies, Geistern, Kobolden und Feen allerlei Unheimliches und Überirdisches eine „creepy“ Atmosphäre befördert, auch der Professor wirkt in seinem Wahn und seiner Rücksichtslosigkeit zwielichtiger – und als Figur interessanter - als je zuvor.
Das Bemerkenswerteste jedoch ist, dass Sfar der visuellen Düsternis und dem hintergründigen Horror eine dialogische und situative Komik entgegenstellt, die aus Professor Bell beinahe ein Funny macht. Bestechend klare, messerscharfe und pointierte Dialoge, Wortspiele und urkomische Situationen sowie lebhafte Protagonisten lassen bei allem sachten Grusel zu keinem Zeitpunkt auch nur einen Funken Schwermut und Trübsal aufkommen.

Fazit: Urkomische Texte, groteske bis skurrile Situationen, eigenständige und lebendige Protagonisten sowie ein düsteres, expressives Artwork machen „Professor Bell“ zu einem echten Highlight am Comic-Himmel. Bleibt zu hoffen, dass Sfar Lust an einer und Zeit für eine Fortsetzung der Reihe findet.

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