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Schattenarie (Band 1)

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Genre: Dark Fantasy
Reihe: Band 1
Titel: Schattenarie
Autoren: Zofia Garden und Anne Delseit
Daten: Carlsen (Februar 2015), empfohlen ab 16 Jahren, Taschenbuch, 223 Seiten, 6,95 EUR, ISBN: 978-3-551-74144-8

Eine Rezension von Judith Gor (Weitere Rezensionen von Judith Gor findet ihr hier auf fictionfantasy oder auf ihrer Website www.literatopia.de)

Luca hat hart dafür gearbeitet, Medizinerin zu werden und auf vieles verzichtet. In der Pathologie ist sie sehr zufrieden, denn ihre Patienten können nicht mehr sterben. Als jedoch eines Tages eine stark verbrannte Leiche auf ihrem Tisch landet, deren Wunden sich auf mysteriöse Weise regenerieren, verändert sich ihr Leben schlagartig: Der Tote ist ein Vampir, der sich, kaum bei Bewusstsein, auf Luca stürzt und sie beinahe bis zum letzten Tropfen aussagt. Ein anderer Vampir, Brayden, findet Luca und will ihr den Gnadentod schenken, doch sie erinnert ihn an jemanden und so verwandelt er sie, statt sie zu töten. Es fällt Luca zunächst schwer, zu akzeptieren, dass es Vampire gibt und sie selbst ein bluthungriges Monster geworden ist. Zwar empfängt sie Braydens Klan mit mehr oder weniger offenen Armen, doch ihr neues „Leben“ ist gefährlich: Werwölfe machen Jagd auf Vampire und sie sind in der Überzahl …

Die ersten Klänge der Schattenarie sind blutig und finster, denn die Vampire in diesem Manga beißen noch richtig zu. Allen voran Tristan, der seinen Erschaffer und Anführer Brayden mit seinem Wahnsinn zur Weißglut treibt. Sein Verhalten bringt den ganzen Klan in Gefahr, doch Brayden nimmt Tristan immer wieder in Schutz, schließlich hat er ihn selbst erschaffen und fühlt sich für ihn verantwortlich. Auch für Luca übernimmt er Verantwortung, doch da ist viel mehr: Sie erinnert ihn stark an eine gewisse Laura, für die Brayden einmal viel empfunden hat. Erst ist die sensible und gleichzeitig dickköpfige Luca nur eine Art Ersatz für den melancholischen Klansführer, aber bald erkennt Brayden, dass er sie immer mehr als Luca sieht und sie auch als solche begehrt. Er verbirgt jedoch seine wahren Gefühle und treibt Luca damit unbewusst in die Arme eines Werwolfs.

Alfred findet Luca auf der Straße, als sie das erste Mal im Blutrausch einen Menschen angreift. Brayden zuliebe lässt er sie gehen, denn zwischen dem Werwolf und dem Anführer der Vampire gibt es ein seltsames Band, das in einer gemeinsamen Vergangenheit wurzelt. Alfred spricht Brayden sogar mit „Mylord“ an, was sich später in der Geschichte aufklärt und was ihn nicht davon abhält, Luca ein eindeutiges Angebot zu machen. Er will sie für sich und schwört, sie zu beschützen. Doch erstens will Luca keine feste Beziehung und zweitens fühlt sie sich Brayden gegenüber verpflichtet, immerhin hat er sie erschaffen und erotische Träume, die sie sehr genossen hat, mit ihr geteilt. Trotzdem fühlt sie sich auch zu Alfred hingezogen, vor allem dann, wenn Brayden wieder einmal dicht macht und den unnahbaren Eisklotz mimt.  

Um diese Dreiecksgeschichte entspinnt sich ein ganz eigener Vampirmythos, der die finsteren Wesen als Kinder von Göttern darstellt und der mit der mysteriösen Schattenmagie noch sehr spannend werden könnte. Ansonsten haben die Vampire viele Attribute, die man aus dem Genre kennt und schätzt: Sie sind auf eine düstere Art traumhaft schön, sie trinken menschliches Blut und erleiden in der Sonne Verbrennungen (die sich bei kurzem Kontakt regenerieren lassen). Zudem befinden sie sich im Krieg gegen Werwölfe, auch wenn zu Beginn eine Art Waffenstillstand herrscht, den Brayden ausgehandelt hat. Er weiß, dass die Vampire zahlenmäßig unterlegen sind und will den Frieden um jeden Preis erhalten, auch wenn er dafür Angehörige seines Klans opfern muss. Konfliktpotential ist reichlich vorhanden und so bleibt die Story von der ersten Seite an bis zum Schluss spannend.

Die Zeichnungen von Zofia Garden begeistern mit vielen Details (was Frisuren, Kleidung etc. betrifft) und gut ausgearbeiteten Hintergründen, die das nächtliche Köln stimmungsvoll inszenieren. Die Atmosphäre ist durchweg düster und wechselt zwischen Melancholie, Erotik und grausamen Kämpfen. Nach ihrer Verwandlung verändert sich Luca körperlich und entwickelt die vampirtypische kühle Schönheit. Die einzelnen Charaktere sind gut zu unterscheiden und die Protagonisten punkten mit glaubhafter Mimik und natürlich wirkenden Bewegungen. Der Panelaufbau ist übersichtlich und trotzdem fließend – zeichnerisch kann man nicht viel besser machen. Und so zeigt auch Schattenarie eindrucksvoll, dass sich deutsche Manga nicht hinter den erfolgreichen Werken aus Fernost verstecken müssen. Das einzige, was hier stört, sind die englischen Begriffe in den Dialogen, die sich im deutschen Setting seltsam lesen. Zwar stammen die Vampire wohl aus Schottland, doch die englischen Einschübe wirken trotzdem gestelzt.   


Fazit

Die ersten Töne der Schattenarie beeindrucken mit traumhaften, düsteren Zeichnungen, die die melancholische und blutige Vampirgeschichte perfekt untermalen. Luca wird aus dem Leben gerissen, mitten hinein in einen Krieg zwischen Vampiren und Werwölfen und in einen persönlichen Konflikt zwischen ihrem Erschaffer Brayden und dem Werwolf Alfred. Ein vielversprechender Auftakt, der Hunger auf mehr macht!

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