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Silent Hill - Drei blutige Erzählungen

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Titel: Silent Hill - Drei blutige Erzählungen
(1. Unter Verdammten; 2. Schwarzmalerei; 3. Der grinsende Mann)
OT: SILENT HILL: Three bloody Tales
(1. Among the Damned; 2. Paint it Black; 3. The Grinning Man)
Autor: Scott Ciencin
Übersetzerin: Anja Heppelmann
Zeichnungen: Shaun Thomas (1 & 2), Nick Stackal (3)
Verlag: Panini, 2006, Seiten: 152, ISBN: 3-8332-1392-2

Eine Besprechung / Rezension von Frank Drehmel
(weitere Rezensionen von Frank Drehmel auf fictionfantasy findet man hier)

1999 begann mit Konamis “Silent Hill“-Videogame ein regelrechter Hype, in dessen Folge bis dato neben mehreren Spiel-Fortsetzungen verschiedene “multimediale“ Veröffentlichungen, ein Kino-Film sowie einige Comic-Books das Licht der Welt erblickten. Die in “Silent Hill - Drei blutige Erzählungen“ zusammengefassten Hefte erschienen im Original 2004 und 2005 bei IDW Publishing als in sich abgeschlossenen Stories.

In “Unter Verdammten“ verschlägt es einen Kriegsveteranen, der auf der Flucht vor den Dämonen seiner Vergangenheit -den Erinnerungen an den Tod der Kameraden und Feunde- in die Berge aufbricht, um dort Selbstmord zu begehen, in die Stadt Silent Hill. Hier erfährt er, dass Ungeheuer nicht nur in seinem Kopf existieren; hier begegnet er der wunderschönen Dahlia und einigen anderen Menschen. Gemeinsam mit ihnen nimmt er Kampf gegen die äußeren und inneren Dämonen auf. Doch in Silent Hill kann der Schein trügen und Verbündeten ist nicht immer zu trauen.

“Schwarzmalerei“ erzählt die Geschichte des Künstlers Ike Isaac. Seines Obdachs beraubt, macht er sich nach dem Hinweis eines heruntergekommenen Kumpels auf den Weg nach Silent Hill. Anstatt Unterkunft und Verpflegung findet er jedoch das pure Grauen. Die dunklen Geschöpfe der Stadt zwingen ihn, sie und ihr tödliches Treiben in Gemälden festzuhalten, und es gibt für den Künstler kein Entkommen aus diesem Alptraum. Eines Tages erscheint eine Truppe Cheerleader, die eine Autopanne in die Wildnis verschlagen hat, in Silent Hill. Als die Ungeheuer der Stadt zwei von ihnen verschleppen, zeigen die “Bengals“ dem Maler und seinen neuen “Freunden“, was Stärke ist.

Es ist Robert Tower letzter Arbeitstag als Polizist vor seiner Pensionierung: seine Kollegen haben eine kleine Feier organisiert und sein Nachfolger ist schon eingetroffen. Als eine verzweifelte Frau auf dem Revier ihm vorwirft, die Polizei unternehme nichts, um ihren verschwundenen Sohn zu finden, fasst er den Schluss, an diesem letzten Tag etwas zu tun, was er Zeit seine Lebens vermieden: nach Silent Hill zu gehen und dort dieses Kind -und andere- zu suchen. Zusammen mit seinem Nachfolger stellt er sich in der Stadt einem furchtbaren Gegner: dem “Grinsenden Mann“. Jenes düstere Wesen versklavt Menschen, indem es sie mit magischen Zeichen stigmatisiert, und tötet aus Freude am Jagen nicht nur Dämonen.

So unterschiedlich die Stile der Künstler Thomas und Stackal auch sind, so gelingt es beiden auf eine fulminante Art und Weise, die beklemmende, bedrückende und surreale Atmosphäre nicht nur von Ciencins Stories sondern auch dem gesamten Silent-Hill-Setting in ihren düsteren Bildern einzufangen.
Stackal bedient sich bei der Umsetzung der Geschichte einer sehr holzschnitthaften, reduzierten und detailarmen Art des Zeichnens, entwirft Figuren und Umgebung mit wenigen, starken Strichen und verleiht ihnen durch große, schwarze, hart abgegrenzte Schattenflächen ein vage Tiefe. Bei der Farbgebung beschränkt er sich fast ausschließlich auf dunkle Grau- und Brauntöne, wobei zahlreiche Bilder monochrom gehalten sind und oftmals auch die farbliche Abgrenzung zwischen Hintergrund und Figur aufgehoben ist. Stackal ordnet seine Panels sehr “traditionell“ ohne Überschneidungen an und nutzt dazu in der Regel voll die Fläche der einzelnen Seiten aus.
Thomas beschreitet beim Seitenlayout einen gänzlich anderen Weg, indem er seine oftmals Seiten-breiten, dafür jedoch niedrigen Panels im Wesentlichen untereinander anordnet, das Nebeneinander als sehr bewusst eingesetztes Element jedoch nicht gänzlich vernachlässigt. Neben dieser vertikalen Gliederung nutzt er verhältnismäßig große weiße Flächen und Ränder um den Blick des Lesers analog einem Passepartout auf das Zentrale -die Zeichnung- zu fokussieren. In den Bildern selbst vereinen sich malerisches Vorgehen und skizzenhafte Gestaltung, weiche Farbübergänge und harte Strichführungen. So kommt es vor, dass einzelne Bildelemente ausgearbeitet sind, während der der Rest lediglich angedeutet bleibt. Insgesamt weisen Thomas ´ Bilder einen deutlichen größeren Detailreichtum als Stackals auf. Was seine Palette betrifft, so dominieren zwar auch erdige, düstere Töne; allerdings setzt er immer wieder verstörende Farbakzente wie das grell pinkfarbene Kleid Dahlias oder die maisgelben Uniformen der Cheerleader.
Da der Textanteil in allen drei Comics verhältnismäßig gering ist, wird die Wucht der Bilder kaum beeinträchtigt. Dafür müssen sich allerdings die Stories aus den Zeichnungen heraus entwickeln, was zumindest bei Stackals sehr groben Darstellungen doch einiges an Konzentration vom Leser verlangt.

So düster die Zeichnungen, so düster die Geschichten um Ciencins drei Hauptprotagonisten: hoffnungslose, ziellose Menschen auf der Suche nach Vergebung oder Erlösung, nach dem Sinn eines vergeudeten Lebens. Um sich befreien, ihre Suche so oder so beenden zu können, müssen sie zuerst erkennen, wer sie sind und was sie wollen. Die Stadt reduziert sie auf ihre elementarsten Gefühle -auf Angst, Liebe und Zorn, den Willen zu überleben-; und erst dadurch dringen sie zum Kern ihres Wesens vor, werden in die Lage versetzt, über ihr altes Ich hinauszuwachsen.
In diesem Zusammenhang stellt sich eine Frage: muss man die Spiele oder den Film kennen, um “Silent Hill - Drei blutige Erzählungen“ zu verstehen? Die Antwort lautet: Nein! Im Gegenteil! Das Groteske, Bizarre, das Surreale und Bedrohliche in den Geschichten wird um so bestimmender, je weniger man über den Hintergrund weiß.

Kleine Abstriche müssen in Bezug auf die Verarbeitung gemacht werden. Dafür, dass großzügig bemessene weiße Ränder ein zentrales Gestaltungsmerkmal der beiden Thomas’schen Comics sind, wurde das Papier zu “dünn“ gewählt, so dass regelmäßig die dunklen Panels der Rückseiten durchscheinen. Ansonsten sind aber das Druckbild, die Leimung und der Schnitt -wie in dieser Preisklasse üblich- über jeden Zweifel erhaben

Fazit: Die drei düsteren, surrealen Stories von Scott Ciencin sowie das exzellente Artwork der beteiligten Künstler machen “Silent Hill - Drei blutige Erzählungen“ zu einem Leckerbissen für jeden Horror- und Comic-Fan.

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