Serie: Ich, der Vampir; Band 1 Eine Besprechung / Rezension von Frank Drehmel |
Seit über 400 Jahren wandeln der Vampir Andrew Bennet und seine Gefährtin Mary über die Erde, sich eines zerbrechlichen Friedens mit der Menschheit um beider Spezies' Überleben willen bewusst. Während Andrew stets darauf bedacht war, kein menschliches Blut zu vergießen, und mittlerweile in der Lage ist, das – oder die – Ungeheuer in sich perfekt zu beherrschen, schwelte in Mary von jeher ein unbändiger Blutdurst.
Unfähig und auch nicht Willens, ihre Dämonen zu zügeln, beschließt die Vampirin, den Waffenstillstand mit den Menschen, die sie lediglich als Nahrung betrachtet, aufzukündigen und in einen neuen blutigen Krieg zu ziehen. Zu diesem Zweck hat sie hinter Andrews Rücken ein Heer Untoter ausgehoben, vor deren bloßer Zahl selbst ein Uralter wie Andrew kapitulieren muss. Dennoch versucht er sich als Beschützer der Menschen und stellt sich offen gegen seine ehemaligen Gefährtin, mit der ihn immer noch eine Hass-Liebe verbindet. Da er jedoch unterlegen ist, muss er nicht nur fliehen, sondern auch noch mit ansehen, wie die Blutsauger wahre Gemetzel unter den Sterblichen anriichten. Kleinere Hoffnungsschimmer, verbündete, ähnlich friedlich gesinnte Vampire zu finden, verglimmen schnell, und so muss er Mitstreiter in den Reihen der Menschen finden, Menschen wie John Constantine, dem Hellblazer, oder Batman, dem dunklen Ritter Gothams. Und so stehen Andrew und Batman schon bald einem Heer aus Untoten gegenüber.
Auch wenn Christian Endres' kurzes Vorwort zu dieser, im Rahmen von DC's „The New 52“-Relaunchs ins Leben gerufenen „Dark Fantasy“- respektive Horror-Serie, die Hoffnung schürt, „Ich, der Vampir“ wandle erzählerisch fernab solcher Romantik-Schmonzetten wie „Twilight“ und einschlägiger TV-Shows, so lässt sich zumindest nach diesem ersten Tradepaperback noch kein abschließendes Urteil darüber bilden, ob Andrews und Marys Beziehung tatsächlich mehr hergibt als Emo-Gelaber, denn ein zentrales Moment dieses ersten Teils ist die Beziehung, die Hass-Liebe der beiden Hauptprotagonisten. Und in dieser kaputten Beziehung scheint Andrew trotz des kompromisslosen Vorgehens gegen seine Art in seiner argumentativen Zurückhaltung und emotionalen Manipulierbarkeit eher das – nichts für ungut, Mädels - Mädchen der beiden, weswegen ihn Constantine konsequenterweise auch als Schwuchtel-Vampir tituliert. Die starken Momente auch in den Dialogen liegen auf Marys Seite, wenn sie beispielsweise ihren Geliebten mit einem Höchstmaß an Sarkasmus und Ironie als Mylord bezeichnet und sich selbst als devote Sklavin.
Die Handlung selbst bietet noch keine wirklichen Überraschungen, endet aber mit einem Cliff-Hanger, der durchaus Parallelen zur „World of Darkness“ White Wolfs nahelegt, ein Setting übrigens, das der Künstler Sorrentino in der Vergangenheit mitgestaltete.
Das Artwork ist das eigentlich Erfreuliche dieses ersten Tradepaperbacks: einerseits bedient sich der Zeichner – gerade auch in den Hintergründen - eines feinstrichtigen, detaillierten und realismusnahen Stils, andererseits arbeitet Sorrentino gekonnt mit ausdrucksstarken, eindringlichen Verschattungen, die zuweilen auf Grund des Fehlens von starken Figurenkonturen geradezu zu schweben scheinen und Leichtigkeit und Düsternis gleichermaßen ausstrahlen.
Fazit: Auf Seiten der Story und der Figuren ist noch Spielraum nach oben, wobei beides durchaus gefällig in Szene gesetzt wird; das Artwork hingegen ist mit seiner Kraft, seiner Tiefe und Düsternis ein echtes Highlight und rechtfertigt den Erwerb dieses ersten Sammelbandes allemal.