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Unterm Wolkenhimmel (Band 1)

Bewertung: 4 / 5

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Reihe: Band 1
Titel: Unterm Wolkenhimmel
Autor: Karakarakemuri
Originaltitel: Donten ni Warau
Genre: Mystery / Historik
Buch-/Verlagsdaten: KAZÉ (Juni 2014), Taschenbuch, 200 Seiten, 6,95 EUR, ISBN: 978-2-88921-224-8

Eine Rezension von Judith Gor (Weitere Rezensionen von Judith Gor findet ihr hier auf fictionfantasy oder auf ihrer Website www.literatopia.de)

Der erste Band von Unterm Wolkenhimmel bietet dem Leser zwei Geschichten, deren Inhalt im Klappentext fälschlicherweise vermischt wird. Die namensgebende Story, die in folgenden Bänden weitergeführt wird, dreht sich um die Brüder Tenko, Soramaru und Chutaro, die in der Meiji-Zeit im 19. Jahrhundert leben: Japan hat das Recht, ein Schwert zu tragen, abgeschafft und erlebt eine neue Blütezeit mit westlichen Einflüssen. Die alten Samurai-Clans bleiben dabei auf der Strecke und ihre Mitglieder ziehen nun als gewalttätige Räuber umher. Tenko, der älteste der drei Brüder, hilft der Polizei, entflohene Verbrecher einzufangen und auf die Gefängnisinsel Gokumonjo zu bringen. Soramaru, der Zweitälteste, will sich endlich an der Verbrecherjagd beteiligen – doch er erkennt schnell, dass er seinem großen Bruder noch lange nicht gewachsen ist …

Die Geschichte um die drei Brüder unterm Wolkenhimmel mutet zunächst wie reine Historik an, wird aber von Seite zu Seite mysteriöser. Da wäre zum einen der stets lächelnde und seltsame Hausverwalter Shirasu, der sich um die Brüder kümmert und die Geheimnisse ihrer Familie zu kennen scheint. Und zum anderen die Brüder selbst, die sich als unglaublich stark entpuppen. Tenko kann es scheinbar spielend mit einer ganzen Verbrecherhorde aufnehmen. Sein fröhliches und leicht albernes Wesen steht dabei im harten Kontrast zu seiner erbarmungslosen Kämpfernatur. Als Ältester will er seine Brüder um jeden Preis beschützen – doch Soramaru würde viel lieber an der Seite seines Bruders Verbrecher fangen. Tenko soll sich auf ihn verlassen können. Der Jüngste, Chutaro, himmelt seine älteren Brüder an. Bei ihm kann man sich noch gar nicht vorstellen, dass er einmal zum Verbrecherjäger wird.

Die zweite Geschichte spielt etwa sechshundert Jahre zuvor und heißt Das Lachen eines flüchtigen Traums. Darin geht es um den Schlangendämon Orochi, der alle dreihundert Jahre erwachen soll – mit dem Ziel, die Menschen zu vernichten. Sobald der Dämon erwacht, muss er versiegelt werden. Diese Aufgabe soll Botan erfüllen, eine hübsche und stolze Frau, die dem jungen Krieger Hirari den Kopf verdreht. Dieser stammt aus einer legendären Samurai-Familie, die viele Magier hervorgebracht hat. Hirari soll jedoch völlig talentlos sein und verlässt sich daher lieber auf sein Schwert. Botan weicht ihm zunächst aus, schließlich muss sie sich auf ihre Aufgabe konzentrieren und Orochi finden. Doch Hirari gibt nicht auf und erobert schließlich Botans Herz …

Das Lachen eines flüchtigen Traums wirkt insgesamt runder als der Anfang von Unterm Wolkenhimmel, wobei man von den drei Brüdern noch nicht genug gesehen hat, um richtig in die Geschichte einzutauchen.  Die Kurzgeschichte um Hirari und Botan dagegen konzentriert sich auf wenige Charaktere, die dem Leser schnell ans Herz wachsen, und bietet neben Action- und Mysteryelementen auch eine zarte Liebesgeschichte voller Überraschungen und Humor. In der Kürze hätte man die Liebe von Hirari und Botan und auch den Kampf mit dem Schlangendämon kaum besser darstellen können. Ein wirklich gelungenes Intermezzo – auch wenn eine so lange Sidestory im ersten Band etwas deplatziert wirkt und sie zudem der Hauptstory die Show stiehlt.

Die kontrastreichen Zeichnungen von Karakarakemuri besitzen hohen Wiedererkennungswert. Das historische Setting wurde sehr gut umgesetzt, insbesondere die Kleidung der Charaktere. Die Hintergründe sind ebenfalls gelungen, hätten insgesamt aber üppiger ausfallen können. Ungewöhnlich sind insbesondere die Augen der Charaktere, wodurch die Protagonisten oftmals einen sehr intensiven Blick haben. Bei den Kämpfen kommen entsprechend häufig Speed Lines zum Einsatz, für Schattierungen wurde gezielt Rasterfolie eingesetzt. Dominant bleiben jedoch sattes Schwarz und Weiß. Die Strichführung erinnert ganz leicht an „Karneval“ von Touya Mikanagi, wobei diese mit viel mehr verspielten Details arbeitet. Für ein kleines Taschenbuch sieht "Unterm Wolkenhimmel" sehr edel aus und preislich kann man bei den gegenwärtlichen Entwicklungen nicht meckern.


Fazit

Der Auftakt zu Unterm Wolkenhimmel ist durchaus spannend, allerdings fällt der Einblick in die Geschichte der drei Brüder knapp aus. Mehr als die Hälfte des Manga wird von einer abgeschlossenen Kurzgeschichte gefüllt, die eine perfekte Balance zwischen Mystery, Action und Lovestory bietet, aber in einem ersten Band etwas unglücklich platziert wirkt. Nichtsdestotrotz ein interessanter Start, der Lust auf mehr macht! 4 von 5 Punkten.

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