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Waffe X (Wolverine Band 1)

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Serie: Wolverine
Titel: Waffe X
Originaltitel: Wolverine: Weapon X
Autor: Marc Cerasini
Übersetzer: Firouzeh Akhavan-Zandjani
Verlag: Panini/Dino, 2006, Seiten: 409, ISBN: 3-8332-1403-1

Eine Besprechung / Rezension von Frank Drehmel
(weitere Rezensionen von Frank Drehmel auf fictionfantasy findet man hier)

“Waffe X“ basiert auf dem gleichnamigen Comic des Autors und Zeichners Barry Windsor Smith, welches erstmals im Jahre 1991 als Mehrteiler in Ausgaben #72 bis #84 des mittlerweile eingestellten Magazins “Marvel Comics Presents“ erschien. Nachdem sich Wolverine seit seinem ersten Auftauchen in “The Incredible Hulk #180, 181 im Jahre 1974 zu einem der populärsten Charaktere des Marvel-Universums entwickelt hat, hielt man damals die Zeit für gekommen, dem Charakter etwas mehr Tiefe durch eine Vergangenheit zu verleihen.

Der Haupthandlungsbogen der Geschichte lässt sich in wenigen Zeilen skizzieren: in einem biotechnologischen Experiment versuchen skrupellose Wissenschaftler einen Menschen in eine menschliche Waffe zu transformieren. In einem mehrstufigen Prozess wird zunächst das Skelett des Opfers mit dem superharten Metall Adamantium überzogen, dann auf chemischem Wege das Muskelwachstum stimuliert, der Wille des Individuums gebrochen, seine Erinnerungen gelöscht, um es schließlich völlig neu zu konditionieren. So zumindest die Theorie.
Doch die Wissenschaftler haben die Rechnung ohne ihr Opfer gemacht, denn Logan ist ein Mutant, ein Homo Superior mit phänomenalen Selbstheilungskräften. Zum einen sind es diese Kräfte, die ihn die unglaublichen Qualen und Belastungen der Transformation überstehen lassen, zum anderen verhindern sie in Verbindung mit einem starken Überlebensinstinkt, dass die Wissenschaftler die angestrebte Kontrolle über ihr Geschöpf erlangen können. Als die Forscher dieses erkennen, ist es allerdings längst zu spät. Wie eine Naturgewalt kommt eine entfesselte Waffe X über ihre Peiniger.

Mittlerweile sind weitere 15 Jahre ins Land gegangen, in denen Wolverine -je nach Lust und Laune der Autoren- die eine oder andere Wandlung durchmachen musste; dennoch ist nach wie vor die Faszination der klassischen “Waffe X“-Geschichte Smiths, der ein geradezu religiöses Moment -Passion und Auferstehung- innewohnt, ungebrochen.

Anders als Smith im Comic richtet der Autor des Romans den Fokus auf die Innenansichten der Protagonisten, ihre Motive, die Zweifel und die tiefe Unmenschlichkeit, welche ihre Handlungen bestimmt. Das Problem, dass der Hauptcharakter in der gezeichneten Vorlage in weiten Teilen lediglich als passives, willenloses Forschungs“objekt“ ohne eigenen Antrieb auftritt, löst Cerasini, indem er einen in der Vergangenheit liegenden zusätzlichen Handlungsstrang -einen Auftrag, der Logan nach Korea führt- entwirft. Erst dadurch wird für den Roman-Leser, der im Zweifelsfall als “Quereinsteiger“ noch nie etwas von Wolverine gehört hat, dieser Charakter als Individuum begreifbar, sein Leidensweg wird zu dem eines menschlichen Wesens. Bedauerlicherweise ist der Rückblick in Logans Vergangenheit wegen der unoriginellen Handlung nach James-Bond-Schema-F nicht ganz ohne Längen; immerhin kann man aber während des Lesens darüber spekulieren, ob die geschilderten Ereignisse nicht vielleicht doch der Fantasie des Gemarterten entspringen und ein Teil seiner Neu-Konditionierung sind, denn die Grenze zwischen Wirklichkeit und virtueller Realität erweist sich im Verlauf der Geschichte tatsächlich als fließend.
Auch wenn sich Cerasini in seinem Bemühen, die Täter -die Verantwortlichen, die Kollaborateure und Mitläufer- ebenfalls als Opfer darzustellen, einer eher trivialen und klischeehaften Psychologie bedient, so gelingt es ihm dennoch, glaubhaft zu illustrierten, was einer Forschung ohne Moral und einer Moral ohne normative Kraft zu Grunde liegen und was aus ihr erwachsen kann. Der zwiespältigste Charakter ist in dieser Hinsicht zweifellos Dr. Cornelius, der auf Grund einer persönlichen Tragödie -dem qualvollen Sterben des Sohnes und dem Tod der Frau- zwar bemüht ist, Gutes zu bewirken, dem es aber an innerer Kraft und Überzeugung fehlt, seine Zweifel und Vorbehalte bezüglich des “Waffe X“-Experimentes gegenüber dem vorgesetzten Professor durchzusetzen oder auch nur nachdrücklich zu formulieren, sodass er schließlich selbst das Monster wird, das er verachtet.

In der Darstellung der Gewalt geht Cerasini eindeutig weiter als Smith. Wo Letzterer bei Zeiten ausblendet bzw. eine unverfängliche Perspektive wählt, bedient sich der Romanschreiber drastischerer und expliziter “Bilder“. Am augenfälligsten wird dieser Unterschied in den letzten Kapiteln und im Epilog, in welchem Smith’s dezenten Cut ein wahres Massaker gegenüber steht.

Fazit: Eine gut geschriebene, bedrückende Geschichte, die zwar nicht ganz ohne Längen ist, die aber sowohl Einsteigern als auch erfahrenen Marvelianern genug Neues bietet, um eine uneingeschränkte Empfehlung zu rechtfertigen.

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