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Sachbücher / Magazine

Das chinesische Roswell - Neue außerirdische Spuren in Ostasien

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Titel: Das chinesische Roswell - Neue außerirdische Spuren in Ostasien
Autor: Hartwig Hausdorf
Verlag: Herbig, 2013, 271 Seiten Hardcover, ISBN-13: 9783776627268

Eine Rezension / Besprechung von Thomas Sebesta

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Stellen wir Arthur C. Clarke an den Anfang der Betrachtung:
„ Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder sind wir allein im Universum oder wir sind es nicht. Beides ist gleichermaßen erschreckend.“

Nun, bei Hartwig Hausdorf findet man auch in seinem 20. Buch wohl keine Entscheidungsrundlage für diese Frage. Wohn kommt einem aber das Gruseln über die durch das Buch implizierten Aussagen. Hausdorf versteht es, dem Buch mit Hilfe des Fragezeichens, einen pseudo-wissenschaftlichen Anschein zu geben und versucht auch eine Gewisse Neutralität zu suggerieren, die natürlich nicht wirklich vorhanden ist. Eigentlich ist man irgendwann ab der Hälfte des Buches froh, wenn die Seiten dem Ende zugehen und man nicht gezwungen ist es teilgelesen zur Seite zulegen. Sollten einem aber die Augen zufallen, dann lässt sich das nicht verhindern, man öffnet es vermutlich nicht noch einmal.

Im Grunde lässt sich das Buch, wie seine unzähligen Vorgänger, auch anderer Autoren in diesem Themensektor, mit den Apokryphen der christlichen Religion vergleichen. Nicht im offiziellen Glaubenscanon anerkannt, aber trotzdem eindeutig religiösen Ursprungs. Es ist einfach eine Frage des Glaubens und Hausdorf, Däniken und alle anderen sind die Priester dieser Religion. Unermüdlich Rufende in einer Wüste des Unverständnisses und der Ignoranz – die einzig Wissenden.

In dieser Bibel der Grenzwissenschaften liegt der Schwerpunkt auf dem asiatischen Kontinent. China, Japan, Tibet und Russland werden nach Spuren der Außerirdischen durchforstet und natürlich wird der Autor fündig. Haben bereits Europa, Südamerika, Afrika und der übrige Rest der Welt als Landebahn für Außerirdische herhalten müssen, so darf natürlich Asien nicht vergessen worden sein. Dabei reicht die zeitlich Einordnung der Funde von 10.000 vor Christus bis in die Jetztzeit.
Steinzeitliche Helmträger, Überwindung der Schwerkraft, körperliche Missbildungen in großer Anzahl auf kleinem Gebiet, rätselhafte Pyramiden über und unter Wasser, Deutungen verschiedenster Drachenarten, holographische Illusionen, möglicherweise missverstandene Technik, unbekannte Landbrücken, fremde Flugobjekte, Begegnungen der dritten und vierten Art, Entführungen, Zuchtprogramme mit menschlicher Beteiligung, Deutung und Umdeutung von alten Mythen, Genmanipulation, Zwergenwesen außerirdischen Ursprungs, Unter- und überirdische Bauwerke die eigentlich nicht errichtet werden konnten, Verstecke von außerirdischen Besuchern oder Gestrandeten, Mutmaßungen über das „Zuchtprogramm“ Erde, heute noch verschollene bzw. unentdeckte Populationen von Außerirdischen und andere scheinbare Beweise, für alles und nichts in einer außergewöhnlichen Vielzahl, füllen rund 270 Seiten. Manches davon kommt einem auch noch sehr bekannt vor – alles, in der einen oder anderen Form, schon da gewesen.

Inhaltlich genau darauf einzugehen ist im Grunde nicht möglich und auch verlorene Zeit. Wie in allen Glaubensdingen wird Kritik nicht zugelassen und bereits im Vorfeld relativiert. Mancher Wissenschaftler steht dann als Ignorant „unumstößlicher“ Tatsachen vor dem Publikum. Hier trifft der Grenzwissenschaftler Hausdorf den Verschwörungstheoretiker Hausdorf zu einem kleinen Kaffeeplausch.

Hans Frey postuliert in seinem neuen Buch „Philosophie und Science Fiction“:
„… Das optionale Spiel, meist in verfremdeter Form mit extrapolierten oder rein spekulativen Möglichkeiten der wissenschaftlich-technischen Welt, ist der erzählerische Kern der SF. …“
Und weiter
„… Alles in allem ist die Science Fiction die metaphorische-mythische Antwort der Literatur […] auf die Erfahrungen, Hoffnungen und Ängste es Menschen in einer neuen, so noch nie dagewesenen historischen Situation.“

Unter diesem Blickwinkel muss die vorliegende Veröffentlichung (will man sie nicht wirklich als religiöse Schrift betrachten) als Science Fiction klassifiziert werden. Wobei die Spekulation mit dem Unbekannten hier in Reinkultur betrieben wird. Natürlich wird das Buch offiziell sozusagen als „Sachliteratur“ verkauft, aber für diese Klassifikation enthält es wohl beträchtlich zu viel „freie Betrachtungen und Wertungen“.
Als Science Fiction dagegen ist es wohl eher als langweilig zu betrachten. Ein durchgehender Handlungsfaden fehlt und die Conclusio, welche die rund 250 Seiten zusammenfasst, will auch nicht so richtig überzeugen. Die literarischen Fertigkeiten des Autors halten sich auch in bescheidenen Grenzen, andern Falls hätte er vermutlich einen Roman aus dem Material gemacht. Mindestens in drei Bänden.
Wie wahrscheinlich ist es, dass Außerirdische seit mindestens 10.000 Jahren auf der Erde aufhalten ohne eindeutige Spuren zu hinterlassen? Wie wahrscheinlich ist es das schiffbrüchige Außerirdische diese Zeitspanne überleben ohne eindeutige Spuren zu hinterlassen oder trotz überlegener Technologie im Dschungel unerkannt und unentdeckt das Leben von Eingeborenen führen? Wie wahrscheinlich ist es, dass die menschliche Rasse für die Durchführung von Genversuchen erschaffen wurde, oder dazu missbraucht wird. Sei es zu eigennützigen oder uneigennützigen Zwecken der Außerirdischen? Wie wahrscheinlich ist es, dass Außerirdische in Unterlichtflügen immer wieder von Lichtjahre entfernten Sternen, in immer neuen Generationen zu uns kommen um uns zu unerkannt beobachten? Wozu beobachten?
Fragen zu stellen (auch unbequeme oder unerwünschte) ist schon wichtig, aber man muss auch akzeptieren, dass viele Fragen nicht beantwortet werden können und die Spekulation darüber in Phantastische abgleiten muss. Historische Kunsterzeugnisse, aus vergangenen Jahrtausenden, zuverlässig zu interpretieren ist an sich schon eine Kunst und sehr vorsichtig zu handhaben. Solche Interpretationen aber als Faktum hinzustellen zu wollen ist schlicht Unsinn.

Was bedient also dieses Buch eigentlich? Natürlich die Sensationslust – nein, die Sensationsgier. Den „Sense of Wonder“. Wobei nur die eine Seite beifallsheischend im Licht der Öffentlichkeit ausgebreitet wird (mit kleineren oder größeren Seitenhieben auf die „herkömmliche, ignorante Wissenschaft“ ) und die zweite Seite der Betrachtungsmöglichkeiten einfach unter den Tisch fällt bzw. fast lächerlich gemacht wird. Wobei man natürlich der überbordenden Phantasie des Autors entsprechenden Applaus und Anerkennung spenden muss. Alleine auch dafür, dass ein so vollständig abgehandeltes Thema immer noch erfolgreich bedient werden kann. Insofern hat das Buch doch einen gewissen Unterhaltungswert.

Wenn man, müde vom täglichen Mühsal, noch das Gruseln des Ungewissen vor dem Einschlafen verspüren will. Wenn man von Lovecraft, Smith, Clark und King nichts hält und trotzdem literarischem Wahnsinn als Einschlaflektüre den Vorzug gibt, dann ist dieses Buch genau richtig. Aber bitte als eBook-Version um 3,99 Euro (nicht die Kindle-Version um 14,99 Euro) oder als Taschenbuchversion um 5,50 Euro. Nicht als Hardcover um 19,99 – das ist es einfach nicht wert. Es sei denn man hat in späterer Folge noch als Tischbeinunterlage dafür Verwendung.

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