Die Flüsse von London

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Reihe: Peter Grant, Band 1
Titel: Die Flüsse von London
Originaltitel: Rivers of London
Autor: Ben Aaronovitch
Übersetzer: Karlheinz Dürr
Buch-/Verlagsdaten: dtv, 2012, 487 Seiten, Taschenbuch, ISBN 978-3-423-21341-7

Eine Besprechung / Rezension von Vero Nefas
weitere Rezensionen finden Sie hier auf fictionfantasy oder auf ihrem Blog Drei Groschen Poesie

Inhalt

Peter Grant, frisch gebackener Constable des Londoner MET, sieht sich schon sein Dasein als Schreibtisch-Bulle in der CPU fristen, als er aus versehen über einen Geist stolpert. Ein Geist, der zufällig auch noch der einzige Zeuge eines grausamen Verbrechens ist. Peters ungeahnte Fähigkeit macht schneller die Runde als ihm lieb ist und er findet sich ebenso plötzlich wie unerwartet als Angehöriger einer Spezialeinheit wieder. Seine bis dato – fast – heile Welt steht Kopf und zu allem Überfluss muss er neben seiner Tätigkeit als Polizist auch noch Zaubern lernen, den Frieden zwischen Vater und Mutter Themse wiederherstellen und einen gemeingefährlichen Verbrecher fangen, der alles andere als normal ist.

Kritik

Irgendwo habe ich gehört, bzw. gelesen, dass die Reihe um Peter Grant irgendwie eine Mischung aus Harry Potter und Special Agent Pendergast sein soll. Und so ganz falsch ist der Vergleich nicht. Bereits nach den ersten Seiten hatte ich das Gefühl einen Erwachsenen Harry zu treffen, der leider nicht das Glück hatte nach Hogwarts berufen worden zu sein. Peter ist ähnlich unsicher, teilweise ein bisschen tollpatschig, verdammt verträumt und viel zu leicht ablenkbar, vor allem vom weiblichen Geschlecht. Peters Meister und Vorgesetzter, Thomas Nightingale, hingegen hat durchaus ein paar Charakterzüge des ehrwürdigen AXL Pendergast – allen voran mangelnden Respekt vor Regeln und Gesetzen sowie die Eigenheit in seiner ganz eigenen Welt zu leben, die man erst Stück für Stück erahnen kann.

Aber natürlich ist “Die Flüsse von London” alles andere als ein Abklatsch dieser beiden weltberühmten Buchserien. Das fängt schon damit an, dass es sich hier nicht um ein Jugendbuch handelt, in dem die Ausübung und das Erlernen der Magie den größten Stellenwert einnimmt. Die Ermittlungsarbeit steht klar im Vordergrund – wenn auch mit recht eigenwilligen Methoden. Der Fall an sich ist lang nicht so komplex und verschachtelt wie ein typischer Pendergast-Fall und außerdem ist die Sprache des Autors deutlich hochwertiger, als der trashige Kult von Douglas Preston und Lincoln Child. (Nicht falsch verstehen, ich liebe diese Serie – aber wenn man ganz ehrlich ist, dann sind die Bücher einfach Mist, in jeder Hinsicht).

Zudem ist die magische Welt deutlich komplexer und zwar stellenweise so Komplex, dass man als Leser kaum mitkommt. Das ist auch einer der wenigen Kritikpunkte die ich habe. Man kann kaum einschätzen welchen Stellenwert die Magie im Leben eigentlich einnimmt, was sie denn überhaupt alles kann und wie sie sich denn eigentlich auswirkt. Für mich war es sehr enttäuschend, dass die Magie im Buch eigentlich schon fast einen eher geringen Stellenwert einnimmt, während die göttlichen oder gottähnlichen Wesen eindeutig dominieren. Und hier kommen wir gleich zum zweiten Problem: Es ist teilweise nicht ganz einfach die Struktur der Flüsse zu durchschauen, geschweige denn sich bei den Beschreibungen der Stadt und des Umlands zurecht zu finden. Hier hätte eine kleine, stilisierte Karte von London und Umgebung, in der zumindest die wichtigsten Orte und Flüsse bzw. Quellen eingezeichnet sind, wahre Wunder bewirkt, was das Verständnis für die Zusammenhänge betrifft. Und das, obwohl die Beschreibung Londons, der Häuser und Straßen, der Personen und Geschehnisse sehr bildlich ist und beim Lesen fast ein (Zeichentrick-) Film vor dem geistigen Auge vorbeizieht. Die räumliche Einordnung fiel, bei aller Präzision, schwer.

Wirklich völlig auf meiner Wellenlänge, lag der Autor aber im Bezug auf seinen trockenen Humor, den teilweise beißenden Sarkasmus und die triefende Ironie. Ich liebe solche Bücher, wenn sie gut geschrieben sind und das ist hier definitiv der Fall. Trotz einiger Stellen an denen wenig passiert und Peter hauptsächlich nachdenkt, Theorien spinnt oder eindrucksvolle Beschreibungen über misslungene Bauvorhaben in der Londoner Innenstadt liefert, war mir beim Lesen keine Sekunde langweilig und ich habe die Geschichte um Peter, Lesley und Nightingale geradezu verschlungen.

Fazit

Obwohl ich manchmal meine Schwierigkeiten hatte den Stellenwert der Magie einzuschätzen, oder die Orte und Flüsse räumlich einzuordnen, hat mich der Roman sehr gut unterhalten. Der trockene Humor des Autors ist wunderbar kompatibel mit meinem Verständnis von Witz, die Figuren sind zwar wenig authentisch, dafür aber sehr liebenswert gezeichnet und man kann herrlich mit Peter Grant mitfiebern, auf seiner Jagd nach dem Ursprung des Übels. “Die Flüsse von London” ist hervorragende Unterhaltung für zwischendurch und der Beginn der Reihe macht definitiv Lust auf mehr.

4/5 Sternen  

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