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SF Film Blog

X-Men 2

Bewertung: 0 / 5

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Titel: X-Men 2
Originaltitel: X2
Regie: Bryan Singer
Drehbuch: Michael Dougherty, Dan Harris, David Hayter
Produktion: Lauren Shuler Donner, Ralph Winter
Darsteller: Patrick Stewart, Hugh Jackman, Ian McKellen, Halle Berry, Famke Janssen, James Marsden, Anna Paquin, Rebecca Romijn-Stamos u.a.
Laufzeit: 128 min
FSK 12
USA 2003

Eine Besprechung / Rezension von Andreas C. Lazar
(weitere Rezensionen von Andreas C. Lazar auf fictionfantasy findet man hier oder auf seiner Webseite moviebazzar.de )

Brüste und der hoffnungslos neurotische Umgang mit ihnen in seiner Heimat, veranlassten einen Amerikaner im April 2003, eine friedlich ihren Sohn stillende Kanadierin auf einem Flug von Houston, Florida nach Vancouver, British Columbia unverwandt anzustarren. Als die Kanadierin ihn hernach zweimal fragte, ob er ein Problem damit habe, dass sie ihren Sohn stille, beschwerte er sich bei der Stewardess, dass er soeben "angegriffen" worden sei, und fügte hinzu, dass er das Stellen zweier Fragen durch eine Ausländerin im internationalen Luftraum als "Terror" empfinde. Zeichen der Zeit, Buchstaben von Feuer an weißer Wand.

In dieser Neuen Welt macht sich jeder verdächtig, der nicht den Vorschriften genügt, und da Erwartungen immer Handlungen beeinflussen, ist es kein Wunder, dass zum Auftakt von X2, der ersten Fortsetzung des in vieler Hinsicht wegweisenden X-Men, der sympathische Schotte Alan Cumming als Teleporter-Mutant "Nightcrawler" den US-Präsidenten McKenna in einer von vielen tricktechnisch furiosen Szenen mit einem Messer und einem etwas unausgereiften pseudodeutschen Akzent angreift. Das misslungene Attentat nimmt der radikalkonservative Oberst William Stryker zum willkommenen Anlass, auf eine weit schärfere Segregationsgesetzgebung zu drängen, die das "Mutantenproblem", das zunehmende Auftauchen genetisch veränderter, mit Spezialkräften ausgestatteter Menschen in der Bevölkerung, regeln soll. Senator Robert Kelly, der noch im ersten Teil ein fanatischer Mutantengegner war, sich mittlerweile aber zum Liberalen gewandelt hat, vermag Strykers Vorstoß nichts entgegenzusetzen.

Vielleicht weil er gar kein Senator ist, ja, noch nicht einmal ein Mann, sondern die sehr attraktive und noch kompetentere Computerspezialistin, Agentin und Gestaltwandlerin Mystique, die von Rebecca Romijn-Stamos im bewährten blauen Bodypainting-"Kostüm" intensiv und faszinierend fesselnd gegeben wird. Seit der Inhaftierung ihres Anführers Magneto, des Holocaust-Überlebenden Erik Lehnsherr, den Ian McKellen mit großartig lauernder Gefährlichkeit hervorragend spielt, arbeitet sie an seiner Befreiung, die ihr in einer sehr lustigen und ihm in einer furiosen, innovativ makabren Szene schließlich auch gelingt.

Währenddessen kehrt der "Kunstlehrer" Logan alias Wolverine (ein animalisch präsenter und erfrischend kompromissloser Hugh Jackman) von einer weitgehend ergebnislosen Selbsterfahrungsreise zur Mutantenakademie Professor Charles Francis Xaviers (ein wie immer brillanter und bewegender, aber leider etwas unterbeschäftigter Patrick Stewart) zurück, an der sich während seiner Abwesenheit nicht viel verändert hat: Cyclops (ein eher durchschnittlicher James Marsden) nimmt Logan immer noch übel, dass der seiner Frau Dr. Jean Grey (eine rührende Famke Janssen) nachsteigt, während die junge Rogue (Anna Paquin in weit besserer, bewegenderer Form als im ersten Teil) aufgrund ihrer aufblühenden Liebesbeziehung zu Iceman (Shawn Ashmore) zunehmend darunter leidet, dass sie keinen anderen Menschen je berühren darf, will sie ihm nicht alle Lebenskraft entziehen. Storm steht derweil in der Ecke und sagt nicht viel, aber weil Halle Berry Storm spielt, klappt auch das auf wunderschöne Weise.

Die Hässlichkeiten beginnen erst, als Logan die Akademie babysittet, während Professor Xavier und Cyclops Magneto be- und Dr. Grey und Storm Nightcrawler aufsuchen gehen: Spezialkräfte unter Oberst Strykers Kommando stürmen die Schule, und obwohl die meisten Schüler dank Colossus' überlegter und Wolverines vor Wut rasender Hilfe sicher entkommen können, und obwohl John Ottmans jederzeit wie angegossen passende Musik, Newton Thomas Sigels erfindungsreiche, noch in den kleinsten Eckchen Platz findende Kamera und die Spezialeffektspezialisten von Rhythm & Hues und Cinesite den Überfall angemessen atemberaubend gestalten, bleibt ein schaler Nachgeschmack: Bilder von Soldaten brutal niedergeschossener, wehrloser Kinder, die nur niedergeschossen wurden, weil sie anders als die anderen sein sollen, sind in Tagen wie diesen längst und leider nicht mehr fiktiv genug, um einfach popcornschmatzend übergangen zu werden. Es ehrt Bryan Singer sehr, dass er hier wie überall nicht abblendet und so in einer Comicverfilmung Mutigeres sagt als der Großteil der amerikanischen Intelligentsia in all seinen Pamphleten.

Wolverine also kann mit Rogue, Iceman und beider Freund Pyro in Cyclops' Sportwagen ent- und im Haus von Icemans Eltern unterkommen, aber dort fangen die Probleme in einer der herzzerreißendsten und zentralsten Szenen des Films erst richtig an: Die familiäre und gesellschaftliche Ablehnung des mutierten Sohnes führt rasch zur explosiven Eskalation, aus der zuerst Rogue, dann Storm und Jean Grey und schließlich sogar der mächtige Magneto nur mit knapper Not aushelfen können. Widerwillig arbeiten die X-Men fortan mit dem Meister des Magnetismus und Mystique zusammen, um Stryker zu stoppen, der den Tumult in den letzten zwei Absätzen ausgenutzt hat, um unbemerkt einen tödlichen Plan in Gang zu setzen, der alle Mutanten auf der Erde vernichten soll. Ob und wie der von auf die ganze Mutantenwelt projiziertem Selbsthass zerfressene Soldat und seine Anhänger oder die sehr unterschiedlichen "alten Freunde" Xavier und Lehnsherr aus diesem Konflikt siegreich hervorgehen werden, sei dem Leser zum Selbststudium überlassen, nicht allein, um die weiterhin verschwenderisch bombastischen Tricks, den leisen, kleinen Humor, die rasanten Kämpfe und die überraschenden, spannungsreichen Skriptvolten mit eigenen Augen und Ohren zu erleben und zu genießen, sondern auch, um den weisen, prophetischen Schlussmonolog Wort für Wort einsinken zu lassen, als Vision und Mahnung. Der Präsident bleibt am Ende denkend am Schreibtisch des Oval Office zurück, und in seinem zukünftigen Tun wird sich beschließen, in welchem Klima die Mutanten ein drittes Mal auf die Bühne der Welt treten werden, in ihrem Kosmos und unserem, ob in der realen Fiktion der Freien oder in der fiktiven Realität der Neuen Welt. Zeigen wird's die Zeit, an weißer Wand.

4 von 5 Sternen

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