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Wölfel von Ulf (Zwielicht; Band 1)

Bewertung: 2 / 5

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Serie: Zwielicht; Band 1
Titel: Wölfel von Ulf
Originaltitel: Le diurne: Wölfel von Ulf
Text: Éric Corbeyran
Zeichnung: Tihomir Celanovic
Farben: Nikola Vikovic
Übersetzer: Tanja Krämling
Lettering: Dirk Schulz
Ausstattung: Hardcover, Albumformat, 56 Seiten
Verlag: Splitter Verlag, 2011, ISBN: 978-3-86869-434-5

Eine Besprechung / Rezension von Frank Drehmel
(weitere Rezensionen von Frank Drehmel auf fictionfantasy findet man hier)


Vor vielen Jahren rangen die Stadtväter Lukianas das Land unter großen Opfern der Wildnis ab und verteidigten es gegen die Horden anstürmender Vampire. Heute ist die Stadt eine prosperierende Metropole, deren nächtliche Straßen nur noch ab und an von Vampiren heimgesucht werden. Die Wildnis um die Stadt herum birgt jedoch die selben Gefahren wie anno dazumal.
Wölfel von Ulf wurde vor 25 Jahren als kleines Kind vom Bürgermeister Lukianas, Hermann von Ulf, während einer Patrouille in den Wäldern der Gegend gefunden und als Ziehsohn in die Familie aufgenommen. Heute untersteht Wölfel die Nachtmiliz der Stadt, während sein Halbbruder, Chlodwig, die Tagesmiliz befehligt, sodass sie gemeinsam für die Sicherheit der Straßen und den Schutz der Bevölkerung vor Übergriffen der Vampire verantwortlich zeichnen.
Jedoch steht es um die Beziehung der beiden Brüder nicht zum Besten, weil Chlodwig in Wölfel einen Konkurrenten um das väterliche Erbe sieht. Daher findet der vom charmanten Wölfel gehörnte Jürgen Bernstein bei Chlodwig ein offenes Ohr mit seinem Vorschlag, den Halbbruder beim Vater durch einige nächtliche Morde und ein Versagen der Nachtmiliz in Misskredit zu bringen. Zwar willigt Chlodwig ein, doch es bietet sich kurz darauf eine Gelegenheit, sich des ungeliebten Bruders ganz ohne Blutvergießen zu entledigen. Wölfel versteckt nämlich verbotenerweise ein junges, von Vampiren gebissenes Mädchen – Maya Lieber - in seinem Heim, ein Mädchen, das er beiläufig aus Kindertagen kennt und das dank ihres gelehrten Vaters um sein dunkles Geheimnis weiß: Wölfel ist ein sogenannter Zwielichtvampir, einer jener neuen Spezies, die auch am Tage wandeln kann. Und dieses Geheimnis droht nun Professor Gustav Lieber der ganzen Stadt zu enthüllen.

Zwielicht? Twilight? Ein Schelm, wer Arges dabei denkt. Allerdings trieft Corbeyrans Vampir-Story – nicht das Artwork – von gefühlsechtem Schmonzetten-Geist: ein hochgewachsener, gut aussehender, tougher Kerl mit knitterfreiem Gehrock, der rein physiognomisch eher fieses Jack Nicholson-Charisma ausstrahlt, denn wie der windelweiche Eddie Twilight aus Emohausen dahertänzelt, ein pöser Halp-Pruder, eine junge Frau, die dem Vampir in Liebe verfallen ist, seit sie ihn in früher Kindheit beim Schnuppern an einem Gänseblümchen beobachtete, sowie Verrat unter dem güldenen Lichte viktorianisch anmutender Gaslaternen lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass Zwielicht eher für testikellose Zeitgenossen konzipiert ist.
Zwar bemüht der Zeichner im redaktionellen Teil den Begriff „Steampunk“ für das Setting, aber bei genauerem Hinsehen beschränkt sich das Punkige auf eine Handvoll zeppelinartiger Fluggeräte, während der Steam tatsächlich nur heißer Dampf aus alten Rohren ist. Immerhin gibt sich Celanovic redlich Mühe, den Romantik-Brei mit einem eher kantigen Artwork, lebendigen Perspektivwechseln und dem vorsichtigen Spielen mit Schatten und Verschattungen für XY-Chromosomale genießbar zu machen, aber letztlich ist die Geschichte selbst zu wenig originell und mitreißend, um überhaupt irgendjemanden vom Hocker zu hauen.

Fazit: Das Comic hält, was das Cover verspricht: Dünnbrettbohrer-Romantik für vampiraffine Trantüten. Dass ausgerechnet Éric Corbeyran für diesen spannungsarmen Schmalz verantwortlich zeichnet, ist in Anbetracht vieler seiner sonstigen Arbeiten eine (böse) Überraschung.

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