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Der Architekt im Glashaus

Bewertung: 5 / 5

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Titel / Originaltitel: Der Architekt im Glashaus
Autor: Günther Hack
Verlag / Buchdaten: Mz Buchverlag (1998), 224 Seiten, ISBN-13: 978-3931904265

Eine Besprechung / Rezension von Olaf G. Hilscher

 

Mit diesem Roman habe ich das eine oder andere Problem gehabt. Günther Hack ist zumindest für mich bisher ein Unbekannter gewesen; sein utopischer Erstling Freistaat hat den Weg nicht in meinen Bücherschrank gefunden - und wird es nach der Lektüre von Der Architekt im Glashaus wohl auch in Zukunft nicht.

Kurz zum Inhalt: Der Inquisitor (er kann sich nicht an seinen eigenen Namen erinnern!) des Bistums München-Freising (temporal angesiedelt irgendwo am Ende des 21. Jahrhunderts, nach einem Atomkrieg) muß sich zuerst mit vakuumverpackten Leichen auseinandersetzen. Diese Episode ist geradezu hanebüchen: die sogenannte "Sinnlose Sekte" stiftet zwei ihrer Mitglieder an, Atombunker zu bauen (die nach Ansicht der katholischen Kirche im 21. Jhdt. ketzerisch sind, weil ein Überleben des Atomkriegs für ein Leben in einer danach zerstörten Welt als sinnlos gilt).

Soweit so gut. Bis zum Ende des Romans ungeklärterweise wird nun in jedem Haus mit Atombunker die Dame des Hauses mit der Bunkermüllentsorgungsanlage vakuumverpackt, und als der Inquisitor alle Opfer in einem Haus zusammenträgt, um den Auftraggeber anzulocken, erscheint dieser nur in Form einer fahrbaren Minikamera, schießt ein Foto der Leichen und ward nicht mehr gesehen. Fragt mich, was soll es bedeuten - ich weiß es nicht. Weiter geht es damit, daß der Bischof von München-Freising als Strafe für des Inquisitors Versagen diesen und seinen "Schergen" Elster zum Bistum Regensburg ausleiht, wo derzeit die Stelle des Inquisitors vakant ist und eine seltsame Krankheit grassiert: Die Leute krümmen sich immer mehr und laufen bald mit Dauerhexenschuß durch die Gegend. Der Monsignore Hinterfurtner, der die Finanzen des Bistums managt, und ein Gegner der Inquisition ist, will die erste Kirche auf dem Mars bauen, um sich das "Bistum Mars" zu sichern. Der avantgardistische Architekt Bonstaetter, der ein Faible für mobile Bauten und viel Glas und Stahl hat, durfte bereits im Auftrag der Kirche mehrere historische Kirchen, Kathedralen und Kirchenhäuser durch "die Gebäude durchdringende Kuben aus Stahl und Panzerglas" (o. s. ä.) verschönern. Er soll auch die Kirche auf dem Mars bauen, und dafür hat er eine wunderbare Idee. Weil eine Kathedrale im gebückten Zustand natürlich höher und erhabener wirkt, läßt Bonstaetter durch gezielte biochemische Manipulation die Bewohner eines ganzen Stadtteils in gebückte Menschen verwandeln. Wie sinnvoll. Die Klärung dieser Tatsache passiert aber erst auf den letzten Seiten, wo dann der Inquisitor den gesamten Sachverhalt in einer Retrospektive herunterhechelt. Damit, daß er die mobile Kathedrale des Bischofs von Regensburg über Nacht ins Nachbarbistum marschieren läßt, ihn extraterritorialisiert (!) und damit kriminalisiert und das Prangergeständnis Bonstaetters über Hinterfurtners Pläne (über Umweg Mars Papst werden) bekommt, kann er alle verhaften und sich von seinem Münchner Bischof zum Bischof von Regensburg machen lassen.

So. Eigentlich war das jetzt nicht sehr kurz, aber diese Geschichte ist soooo seltsam. Mich stört in diesem Werk die größtenteils alberne Überzeichnung wirklich brauchbarer Plots, aber auch Gags, die aber an sich in diesem Buch sowieso irgendwie unpassend wirken - Hack kann sich auf den ganzen 156 Seiten nicht entscheiden, ob er sich an einem Drehbuch für eine Derrick-Folge (Inquisitor = Derrick, Scherge Elster = Harry Klein), einem Social Fiction-Roman oder einem Bud Spencer/Terence Hill-Klamauk versucht. So bleibt alles im Ansatz stecken, das einzige, was der Roman zu transportieren weiß, ist die Phantasielosigkeit Hacks. Wirklich schade.

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