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Psycho-Pass 2 (Volume 1)

Bewertung: 5 / 5

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Genre: Science Fiction / Psychological / Cyberpunk
Serie: Volume 1
Titel: Psycho-Pass 2
Regie: Psycho-Pass  2 (Staffel 2, Volume 1)
Regie: Kiyotaka Suzuki
Format und Sprache:  16:9 – 1920 x 1080 p, PAL, Region 2, Deutsch (DTS-HD 2.0), Japanisch (DTS-HD 2.0)
Extras: Clear Opening & Ending, 3 Postkarten
Daten: KAZÉ (September 2015), Blu-ray Digibox mit Sammelschuber,  circa 150 Minuten, UVP 46,95 EUR, FSK 16, EAN:  7630017501752

Eine Rezension von Judith Madera (Weitere Rezensionen von Judith Madera findet ihr hier auf fictionfantasy oder auf ihrer Website www.literatopia.de)

Akane hat die Wahrheit über das Sybil System herausgefunden – und arbeitet trotzdem weiterhin als Inspektorin für das System. Sie ist fest überzeugt davon, die Welt nur verbessern zu können, indem sie sich richtig verhält. Gemeinsam mit ihrer neu besetzten Einheit 1 macht Akane wieder Jagd auf latente Verbrecher und wird prompt mit dem nächsten großen Fall konfrontiert: Ein Bombenleger stiftet Unruhe in der Stadt, kurz darauf verschwindet eine Inspektorin und überall taucht die mysteriöse Nachricht „WC?“ auf. Zudem treten immer häufiger Fälle auf, in denen sich der Psycho-Pass von jemandem sehr plötzlich trübt – und all diese Personen behaupten, ein gewisser Kamui könne sie wieder hell machen. Während die meisten Inspektoren und Vollstrecker Kamui als erfundenes Phantom abtun, glaubt Akane an seine Existenz – und steht bald einem Gegner gegenüber, der das System mit Hilfe von blutigen Grausamkeiten zugrunde richten will …

Psycho-Pass 2 spielt nach dem dramatischen Finale der ersten Staffel, in welchem die Einheit 1 auseinander gerissen und dezimiert wurde. Der Psycho-Pass des ehemaligen Inspektors Ginoza ist inzwischen stark getrübt, weshalb er nun als Vollstrecker für Akane arbeitet. Er selbst ist damit sogar recht zufrieden, muss sich aber auch mit Anfeindungen auseinandersetzen. Unter anderem von Seiten der neuen Inspektorin Shimotsuki, die dem System absolut treu ergeben ist und Vollstrecker als minderwertige Menschen – eben latente Verbrecher – betrachtet. Akane hingegen pflegt weiterhin einen respektvollen Umgang mit ihren Vollstreckern und bezieht auch die beiden neuen, Togane und Hinakawa, in ihre Entscheidungen mit ein. Beide sind für den Zuschauer in den ersten sechs Episoden noch schwer greifbar. Togane scheint irgendwie von Akanes schier untrübbarem Psycho-Pass besessen zu sein, während Hinakawa sich zwar mit Computern und Hologrammen auskennt, ansonsten aber nur durch Zurückhaltung und Unsicherheit auffällt.

Im Vergleich zu ersten Staffel wird die zweite von vielen Fans schlechter bewertet, was wohl vor allem daran liegt, dass bestimmte Charaktere nicht mehr dabei sind. Lässt man sich auf die neue Besetzung ein, kann man jedoch  einen ebenso perfekt inszenierten Cyberthriller wie in der ersten Staffel genießen. Der neue Fall wird von der ersten Episode an mit hohem Tempo aufgebaut, sodass man als Zuschauer kaum zum Durchatmen kommt und nach der sechsten Folge entsetzt dreinschaut, dass die erste Volume schon zu Ende ist. Auch dieses Mal steht das Sibyl System, das permanent die psychische Verfassung der Menschen überwacht, in der Kritik. Kamui nutzt die Unzufriedenheit jener, die im System durchfallen, aus und treibt sein perfides Spiel mit ihnen.

Akane ist spürbar reifer und härter (und damit mehr eine klassische Cyberpunk-Heldin) geworden. Trotz neuer schlechter Angewohnheiten und der vielen emotionalen Tiefschläge, die sie verkraften musste, bleibt Akanes Psycho-Pass hell und rein. Nichts scheint ihn trüben zu können. Trotzdem erscheint sie oftmals abgekämpft und leicht verbittert. Hinzu kommt, dass ihr zunächst niemand glauben will, dass Kamui wirklich existiert, wodurch Akane an sich selbst zu zweifeln beginnt. Ist sie etwa verrückt geworden? Ohne, dass das Sybil System etwas bemerkt? Wenn die Zweifel sie zu ersticken drohen, spricht sie in Gedanken mit Kōgami, über dessen Verbleib man bisher leider nichts erfährt. Er war einer der Sympathieträger der ersten Staffel und wird schmerzlich vermisst (besonders von Akane).

Ähnlich wie im Fall Makishima in der ersten Staffel gibt es auch in der zweiten Staffel Fälle, in denen ein Psycho-Pass sich trotz brutaler Gewalttaten nicht trübt beziehungsweise wieder hell gemacht wird. Allerdings ist der Ansatz dieses Mal ein ganz anderer: Kamui testet zunächst aus, was möglich ist, und startet schließlich einen Feldzug, der sich in erster Linie gegen Inspektoren und Vollstrecker richtet. Er versucht dabei, in den Besitz der Dominator zu gelangen – jenen Waffen, mit denen (latente) Verbrecher unschädlich gemacht beziehungsweise eliminiert werden. Seine kranken Experimente zeigen früh Wirkung, beispielweise als Vollstrecker und Inspektoren mehrere Menschen eliminieren, da sich ihr Psycho-Pass aufgrund von emotionalem Stress getrübt hat. Dabei wird keinerlei Unterscheidung zwischen einem echten Verbrecher und einer traumatisierten Person, die (noch) niemandem etwas zu leide getan hat, getroffen – und man fragt sich unweigerlich, wie lange dieses System noch bestehen kann?

Animationen, Soundtrack und Synchronisation

Dass hier ein neues Produktionsstudio (Tatsunoko Production) samt neuem Regisseur (Kiyotaka Suzuki) am Werke war, merkt man kaum, denn auch Psycho-Pass 2 ist allerfeinster Cyberpunk auf der Höhe der Zeit. Die Animationen sind superflüssig und zeigen die futuristische Stadt mit Licht- und Schattenseiten, wie man sie sich von heute an weitergedacht vorstellen könnte (und wie man sie in der ersten Staffel bereits kennengelernt hat). Klassische Cyberpunkelemente treffen auf frische Ideen, die visuell mit viel Liebe zum Detail umgesetzt wurden.

Verspiegelte Wolkenkratzer, viel Grün und Neonglanz treffen auf heruntergekommene Ghettos und düstere Hafenkulissen, so wie man sie sich in William Gibsons Neuromancer vorgestellt hätte. Hinzukommen die Alltagstechnologien der Zukunft, die ein Spiegel der aktuellen Entwicklung sind. Auch die Charaktere sind überdurchschnittlich gut animiert und punkten neben dem individuellen Style mit natürlichen Bewegungen und einer lebhaften Mimik und Gestik. Lediglich bei Ginoza hat man das Gefühl, dass er etwas anders aussieht als in der ersten Staffel, aber der Unterschied ist minimal.

Der Soundtrack fügt sich ebenso wie in der ersten Staffel perfekt in die düstere Zukunftsvision ein, wobei Opening- und Ending-Theme vergleichsweise belanglos sind. Im Vergleich zur ersten Staffel ist das Opening allerdings etwas melodischer. Als Untermalung eignet sich der Soundtrack perfekt, doch ohne Bilder dazu funktioniert er nicht. Die Synchronsprecher bei den bereits bekannten Charakteren wurden glücklicherweise beibehalten und auch die Stimmen der neuen Figuren fügen sich gut ein. An einer Stelle ist jedoch ein kleiner Fehler passiert, da hat Inspektorin Shimotsuki für einen kurzen Moment plötzlich die Stimme von Akane (mit der sie gerade spricht). Ansonsten aber wieder eine wirklich gelungene Synchronisation.

Blu-ray-Ausgabe

Wie bereits sein Vorgänger wartet Psycho-Pass 2 als Blu-ray mit einer hervorragenden Bild- und Klangqualität auf. Die Farben sind kräftig und jedes Detail der wuchernden Stadt sichtbar. Die Lautstärkedifferenz zwischen Dialogen und Actionszenen ist angenehm, sodass man nicht ständig nach der Fernbedienung langen muss. Die Möglichkeiten des DTS-Soundformats werden dabei auch dieses Mal nicht gänzlich ausgereizt, dafür ist der Klang jederzeit klar und voluminös.

Die Disk kommt in der limitierten Erstauflage in einem schicken Digipack samt stabilem und beidseitig bedrucktem Sammelschuber daher (auf dem das FSK zum Glück nicht fest aufgedruckt ist). Als Extra gibt es drei Postkarte und auf der Disk das Clear Opening und Ending, doch leider fehlt wieder einmal ein Booklet. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt an dieser rundum gelungenen Ausgabe.


Fazit

Schockierender, härter und temporeicher – Psycho-Pass 2 steigt von der ersten Episode an in die Vollen und bietet einen wahnsinnig spannenden Cyberthriller auf der Höhe der Zeit. Erneut wird das Sybil System von einem kriminellen Genie angegriffen, das es dieses Mal auf die Inspektoren und Vollstrecker abgesehen hat. Akane, die spürbar gereift ist, muss dabei wieder an ihre Grenzen und darüber hinausgehen. An ihr umgestelltes Team muss man zunächst gewöhnen, doch wer sich auf die neue Besetzung einlässt, wird qualitativ kaum Unterschiede bemerken. Psycho-Pass ist heute das, was Ghost in the Shell  1995 war – allerfeinster Cyberpunk mit Tiefgang und einer grandiosen Optik. 9 von 10 Punkten.

Rezension zu Psycho-Pass (Volume 1)

Rezension zu Psycho-Pass (Volume 2)

Rezension zu Psycho-Pass (Volume 3)

Rezension zu Psycho-Pass (Volume 4)

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