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Die 13 Gezeichneten

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Genre: napoleonische Fantasy
Titel: Die 13 Gezeichneten
Reihe: Die 13 Gezeichneten, Band 1
Autoen: Judith und Christian Vogt
Daten: Bastei Lübbe (Februar 2018), Klappenbroschur, 591 Seiten, 14,00 EUR, ISBN: 978-3-404-20892-0

Eine Rezension von Judith Madera (Weitere Rezensionen von Judith Madera findet ihr hier auf fictionfantasy oder auf ihrer Website www.literatopia.de)

Die Stadt Sygna ist berühmt für ihre Handwerksmeister, die mit ihrer Zeichenmagie wahre Meisterwerke erschaffen oder schlicht Meisterschaft im Fechten oder Dichten erlangen. Seit der Eroberung der Stadt durch die Aquinzische Nation ist die Ausübung der Zeichenkunst stark reglementiert. Dichter und andere Zeichenkundige wurden weggesperrt und Unkundige werden gezwungen, in aquinzischen Manufakturen Zeichen zu wirken. Doch wer diese nicht beherrscht, wird von den Zeichen zerstört. Den Besatzern ist dies gleich, solange sie verbesserte Waffen erhalten. Und so brodelt es im Untergrund Sygnas, auch wenn zunächst nur eine kleine Gruppe Rebellen um den Schreinermeister Ignaz Dreifinger gegen die Eroberer vorgeht. Mit einer List zwingen sie den Goldfechter Dawyd, sich ihnen anzuschließen. Anfänglich ist er von ihrer Sache nicht überzeugt, doch bald erkennt auch er die Notwendigkeit des Widerstands …

Die 13 Gezeichneten ist der Auftakt eines mitreißenden Kampfes um Freiheit und Selbstbestimmung. Die Eroberung durch die Armee eines selbstgekrönten Kaisers ist den meisten Sygnaern ein Dorn im Herzen, sind sie es doch gewohnt, selbst über die Belange der Stadt zu entscheiden. Doch bereits vor der Eroberung durch die Aquinzische Nation brodelte es im frühindustriellen Sygna. Die Gleichwerker strebten an, dass auch Frauen Zeichen erlenen sollten, was in den meisten Zünften verboten war. Zudem waren nicht alle mit dem Gildenrat und seiner Macht einverstanden. Da einige der Meister mit den Besatzern kollaborieren, läuft ein tiefer Graben durch Sygna, was ein vereintes Vorgehen gegen die Eroberer unmöglich erscheinen lässt.

Dawyd, der aufgrund seines losen Mundwerks den Spitznamen „Maul“ trägt, ist ein selbstgefälliger Goldfechter, der mit seiner Klinge Rechtsstreitigkeiten austrägt und seinen Lohn in der Kneipe lässt. Seine Gilde hat ihre Zeichen längst verloren, dennoch sehen die Rebellen in Dawyd einen wertvollen Verbündeten. Der Fechter wird quasi gezwungen, sich dem Widerstand anzuschließen, und ist zunächst entsetzt, was für ein schlecht organisierter Haufen das ist. Zu den Rebellen zählen der wenig selbstbewusste Dichter Ismayl, das freche Straßenmädchen Jendra, die kräftige Schmiedin Elisabeda und der schweigsame Müllersbursche Neigel. Sie alle sind keine Kämpfer, erhalten im Verlauf der Geschichte jedoch Gelegenheit, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Während der angeberische Dawyd nicht unbedingt ein sympathischer, aber authentischer Charakter ist, begeistert insbesondere Elisabeda die Leser als starke Frauenfigur, die sprichwörtlich den Hammer schwingt.

Die Protagonisten haben allesamt Ecken und Kanten und fügen sich so wunderbar ins Bild des zerrissenen Sygnas. Im Lauf der Geschichte müssen sie so manch harte Prüfung bestehen und oftmals sind es ihre zutiefst menschlichen Fehler, die sie an den Abgrund führen. Auch die meisten Nebencharaktere punkten mit verschiedenen Facetten, einige wenige sind jedoch auch blass geraten. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und während der stete Wechsel zwischen den Hauptfiguren maßgeblich die Handlung vorantreibt, erscheint manch Nebenhandlung unnötig – außer für Leser, die gerne jeden Winkel einer Welt erforschen wollen. Spannung zieht der Roman in der ersten Hälfte weniger aus den kleinen Anschlägen der Rebellen als viel mehr aus der Erforschung der Verkehrten Stadt unter Sygna, wo die dreizehn Urzeichen vermutet werden. Die finsteren Höhlen üben eine ungemeine Faszination aus und was sich in ihnen verbirgt, wird letztlich über das Schicksal der Stadt entscheiden.

In der zweiten Hälfte nimmt die Handlung spürbar an Fahrt auf. Obwohl die Autoren ihre Kampfszenen sehr ausführlich gestalten, fliegen die Seiten dahin. Die mühsam aufgebauten Handlungsstränge verflechten sich ineinander und so mache Wendung bietet gemeine Schreckmomente. Auf den letzten einhundert Seiten passiert schließlich so viel, dass abzusehen ist, dass viele Fragen unbeantwortet bleiben und dass die Handlung quasi mittendrin aufhört. Da würde man den zweiten Band am liebsten sofort lesen.


Fazit

Die 13 Gezeichneten begeistert mit seiner ungewöhnlichen Zeichenmagie ebenso wie mit facettenreichen Charakteren, die die Handlung durch ihre Fehler und Heldentaten vorantreiben. Der Kampf gegen die Besatzer bietet viele Wendungen, die die Leserschaft hoffen und bangen lassen. Nach einem nervenaufreibendem Finale ist jedoch klar, dass dies hier erst der Anfang war …

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