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Interviews

Interview mit Susan Beth Pfeffer

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Interview mit Susan Beth Pfeffer
Die Autorin im Gespräch mit Erik Schreiber
 
Ich nutze immer wieder die Möglichkeit, Autorinnen und Autoren per Email zu befragen. Mich interessiert das Umfeld und wie die Geschichten entstehen. Dabei sind die Schriftsteller mal wortkarg, dann wieder redselig. Die New Yorker Autorin Susan Beth Pfeffer hat mich wegen ihrer Untergangs-SF neugierig gemacht. Vor allem der Teil, in der der Mond aus seiner normalen Umlaufbahn gedrückt wird. Die Antwort dazu war nun leider sehr knapp bemessen.
Dennoch wünsche ich viel Spaß beim Lesen.
 
Übersetzung: Mein Dank für die Übersetzung geht an Florian Kayser.
Das Email-Interview
Erik Schreiber:
Da Dich in Deutschland die Leser kaum kennen, kannst Du Dich und Deine schriftstellerische Tätigkeit vorstellen?
Susan Beth Pfeffer:
Mein Name ist Susan Beth Pfeffer und ich schreibe Fiction für Kinder und Teenager, seit ich erwachsen bin. Ich bin in einem Vorort von New York City aufgewachsen und bin an der New York University aufs College gegangen. Ich lebe zusammen mit meiner Katze Scooter nordwestlich von New York City.
Erik Schreiber:
Wie bist Du Schriftstellerin geworden? Zufall oder Absicht? Gab es ein bestimmtes Schlüsselerlebnis?
Susan Beth Pfeffer:
Von dem Zeitpunkt an, da ich lernte zu lesen und zu schreiben, wollte ich Schriftstellerin werden. Ich habe es immer sehr genossen, mir Geschichten auszudenken und Charaktere zu entwerfen. Eigentlich habe ich nie ernsthaft darüber nachgedacht, einen anderen Beruf zu ergreifen. Vieles lernte ich von meinen Lehrern und vieles durch die eigene Lektüre, aber auch durch das Schauen alter Filme. Im letzten Collegejahr schrieb ich ein Buch, welches für Teenager ausgelegt war, und gab es einem meiner Professoren zur Lektüre. Er half mir, einen Verleger zu finden, dem ich das Manuskript zuschicken konnte. Der Verlag las es, verlangte einige Änderungen, welche ich vornahm, und las es erneut. Das Buch wurde angenommen und so begann ich auf diese Weise meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich kann 77 veröffentliche Bücher mein Eigen nennen, alle sind für Kinder oder Teenager geschrieben, auch wenn Erwachsene die Bücher ebenso lesen.
Erik Schreiber:
Seit wann schreibst Du und für wen hauptsächlich?
Susan Beth Pfeffer:
Ich schreibe Fiction für Kinder und Teenager.
Erik Schreiber:
Woher kommen die Ideen für Deine Geschichten?
Susan Beth Pfeffer:
Mein Interesse gilt vor allem den Familien, wie sie mit schwierigen Lebensphasen umgehen. Ich lese sehr viel Zeitung und bisweilen kommen mir Ideen aus den Artikel oder aus den Fernsehnachrichten. Life as We Knew Itentstand aufgrund eines Films im Fernsehen, den ich eines Nachmittags gesehen hatte. Es ist nicht schwer, Ideen zu haben. Der schwierige Teil ist, die Idee weiterzuentwickeln, sobald sie dich heimgesucht hat.
Erik Schreiber:
Wie gehst Du beim Schreiben und Recherchieren vor? Bist Du mehr ein intuitiver Autor, oder planst Du jedes Detail im Voraus?
Susan Beth Pfeffer:
Ich organisiere sehr vieles im Vorfeld, auch wenn einiges erst dann passiert, wenn ich bereits mit dem Schreiben begonnen habe. Ich beginne nie ein Buch, ehe ich nicht einen Anfang habe, mit dem ich zufrieden bin, eine recht gute Vorstellung davon besitze, wie es in der Mitte aussehen wird und in etwa weiß, wie ich das Buch enden lassen will. Das kann bedeuten, dass ich lediglich weiß, dass es ein emotionales Ende sein wird, es muss nicht bedeuten, dass ich genau weiß, was auf der letzten Seite geschehen wird, aber ich mag es nicht herumzuirren, nicht zu wissen, wie ich bestimmte Dinge handhaben soll. Mein liebster Teil beim Schreiben, ist das Vorschreiben, die Probleme zu entwerfen und deren Lösungen zu finden, so gut ich nur kann.
Erik Schreiber:
Wie lange hast Du an diesem Roman gearbeitet?
Susan Beth Pfeffer:
Die Welt wie wir sie kannten zu schreiben hat mir sehr viel Freude bereitet und ich wollte eine Fortsetzung schreiben. Ich fragte also meine Verleger, ob sie daran Interesse hätten, und sie antworteten mit „Nein“. Daraufhin habe ich sie gefragt, ob ich zumindest das gleiche Szenario verwenden könnte, nur mit einer vollkommen anderen Figur, und damit waren sie einverstanden. Zu guter Letzt habe ich herauskriegen können, dass sie eine Fortsetzung mit beiden Figurengruppen haben wollten. Also schrieb ich Die Verlorenen von New York und versuchte es so unterschiedlich zu Die Welt wie wir sie kannten zu gestalten, wie ich nur konnte, aber gleichzeitig sollte es in derselben Welt spielen, zu jener Zeit, da Alex Miranda treffen wird. Ich schätze, dass von dem Zeitpunkt der ersten Grundidee bis zur Fertigstellung der ersten Fassung etwa fünf Monate vergangen sind, vielleicht auch etwas mehr oder auch etwas weniger.
Erik Schreiber:
Wie kamst Du auf die Idee, den Mond aus seiner Umlaufbahn zu stoßen? Aber eigentlich müsste physikalisch gesehen der Mond auf die Erde stürzen. Warum macht er es nicht in Deiner Erzählung Die Welt wie wir sie kannten?
Susan Beth Pfeffer:
Ich schreibe Fiction. Ich entwerfe meine eigenen Naturgesetze.
Erik Schreiber:
Alex Morales ist ein ganz normaler Teenager, dennoch gerät er in eine Heldenrolle. Warum hast Du ihn gewählt und keinen anderen Jungen?
Susan Beth Pfeffer:
Alex ist ein Teenager. Teenager mögen nicht automatisch ihre kleinen Schwestern. Und wenn Du glaubst, dass alles rund läuft, wenn man seine Eltern vermisst, man um jeden Happen Essen kämpfen muss, um zu überleben, und man seinen besten Freund und seine Schwester verloren hat, dann will ich lieber nicht wissen, was Du unter einer schwierigen Situation verstehst.
Erik Schreiber:
Wenn ich die Geschichte im Nachhinein betrachte, habe ich den Eindruck, Alex gelingt alles viel zu leicht. Es ist, als ob ihm alles in den Schoß fällt. Ist das so gewollt?
Susan Beth Pfeffer:
Mich interessiert es immer sehr, wie es Menschen schaffen, schwere Zeiten zu meistern. Es interessiert mich aber genauso, wie es Menschen schaffen, durch gute Zeiten durchzukommen, doch ist es ungleich schwerer, hieraus eine ordentliche Grundstruktur für eine Geschichte zu entwickeln (z. B. was geschieht mit einer Familie, die einen großen Lottogewinn gemacht hat). Und der Kampf zwischen den Dingen, die man hat und die man nicht hat, weckt mein Interesse.
Erik Schreiber:
Es wird in Deinem Buch sehr viel gebetet. Bist Du eine christliche Autorin mit dem Ziel, mehr Menschen zu Gott zu führen?
Susan Beth Pfeffer:
Auf keinen Fall. Alex und seine religiösen Ansichten spiegeln auf keinen Fall die meinigen wider.
Erik Schreiber:
Der Überlebenskampf wird von Dir erschreckend dargestellt. Was waren Deine Vorbilder? Etwa Roland Emmerich, der in seinen Filmen New York immer wieder zerstört?
Susan Beth Pfeffer:
New York City wird häufig in Kinofilmen zerstört, da dies die größte Stadt der Vereinigten Staaten ist und sich hier viel anbietet. Ich habe The Dead and the Gone deshalb in New York City spielen lassen, weil ich diese Stadt am besten kenne. Ich musste diese Geschichte in einer Großstadt spielen lassen, weil ich Life as We Knew It in einer Kleinstadt spielen ließ und ich einen Kontrast schaffen wollte.
Erik Schreiber:
Welches ist die Botschaft von The Dead and the Gone?
Susan Beth Pfeffer:
Ich neige nicht dazu zu glauben, dass meine Bücher wirklich eine Botschaft besitzen. Ich versuche vielmehr Bücher mit Geschichten und Figuren zu schreiben, um die sich der Leser sorgt. Darüber hinaus geht mein Anliegen nicht viel weiter.
Erik Schreiber:
Du hast einen beeindruckenden Roman geschrieben. Aber ein Happyend ist für mich nicht ersichtlich. Dabei erwarte ich gerade bei einem Jugendbuch ein gutes Ende.
Susan Beth Pfeffer:
Ich denke, dass Bücher für Teenager ein Mindestmaß an Hoffnung am Ende bereithalten sollten, aber das heißt nicht, dass das Ende ein „Happyend“ sein muss.
Erik Schreiber:
Kann Literatur die Welt verändern?
Susan Beth Pfeffer:
Ich würde sagen ja, Literatur kann die Welt verändern, auch wenn nicht unbedingt zum Guten. Doch sollte die Macht von Wörtern und Geschichte niemals unterschätzt werden.
Erik Schreiber:
Welche Bedeutung hat Literatur für Dich persönlich?
Susan Beth Pfeffer:
Eine gute Geschichte ist ein wunderbarer Ort, um sich selbst zu verlieren. Es macht dabei keinen Unterschied, ob es sich um eine fiktionale oder reale Geschichte handelt (Ich liebe es z. B., Biographien und Geschichtsbücher zu lesen). Man betritt eine Welt, die nicht die eigene ist, und man erfährt, wie andere Menschen, seien sie nun real oder der Phantasie des Autors entsprungen, sich durchschlagen. Ich bin in der wirklich glücklichen Lage, dass ich meine eigenen Geschichten entwerfen und sie zu Papier bringen kann und dass es Menschen gibt, die diese dann auch lesen. Ich kann mir keinen besseren Weg vorstellen, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Erik Schreiber:
Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen. Ich wünsche Dir noch viel Erfolg mit Deinen weiteren Büchern.
 

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